Die Etappe von Livigno nach Bormio ging gleich mit einem brutal steilen Anstieg über gut 400 Höhenmeter los. Wir legten uns die Taktik so zurecht, dass ich bei dem von Claes/Pliem zu erwarteten Tempodiktat versuchen werde mitzugehen und Simon in seinem eigenen Rhythmus diesen Anstieg hochfährt, um dann in der folgenden Abfahrt wieder aufzuschliessen.
Es kam exakt wie erwartet und die Lücke ging unmittelbar nach dem Start auf. Ich schaffte es vorne mitzufahren und unser Plan war in vollem Gange aufzugehen. Erst nach der Abfahrt brauchte es eine Anpassung, denn es kam nicht zum Zusammenschluss. So liess ich Claes/Pliem ziehen, um dann den Anstieg auf den Passo Foscagno zusammen mit Simon zu fahren. Wir fuhren ein gutes Tempo und konnten in diesem Bereich unseren Rückstand von zwei Minuten um 30 Sekunden reduzieren. Sehr schön, es war also alles im grünen Bereich. Und es kam noch besser.
Im coupierten und mit einigen bösen Rampen gespickten Abschnitt vor der Schlussabfahrt konnten wir weitere 30 Sekunden zurück gewinnen. Die letzten zehn Kilometer gingen dann grösstenteils rasant bergab und wir kamen hier nochmals etwas näher. Doch dann kam die Spassbremse, als es kurz vor Ende der Abfahrt aus Simons Hinterreifen zischte. So ein Ärger, denn nach dem Aufpumpen mussten wir feststellen, dass es an mehreren Orten herauspfiff.
Da es nur noch drei Kilometer ging bis ins Ziel, beschlossen wir, ohne zu reparieren weiter fahren. Leider war die Etappe dann zwei Kilometer länger als angesagt und so summierten sich bis ins Ziel vier Minuten Rückstand. Somit verspielten wir einen rechten Teil unseres Vorsprungs, doch die Gesamtführung konnten wir doch komfortabel verteidigen. Und noch viel wichtiger: wir waren heute näher dran an Claes/Pliem als in den beiden letzten Tagen und das gibt uns grosse Zuversicht für die nächsten Tage.