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Bericht

Grand Raid BCVS 2026, 2. Rang – Das war es nun wirklich

Ja genau, richtig gelesen. Ich fuhr heute an meinem Lieblingsrennen im Wallis nochmals auf das Podest. Nach total 25 Jahren Mountainbike-Rennsport im vergangenen Herbst wegen einer verletzten Schulter drei Rennen früher als geplant abtreten zu müssen, war nicht der Abgang, den ich mir gewünscht hatte. Und je länger der Winter dauerte, umso mehr kam in mir die Überzeugung hoch; so will und kann ich nicht abtreten. Nochmals ein letztes gutes Rennen zeigen, das wäre ein würdiger Abschluss. Natürlich war sofort klar, dass das heute beim Grand Raid BCVS sein sollte. Doch ich wusste, wenn ich das wirklich mache, dann muss es Hand und Fuss haben, alles andere hätte ich mir dann lieber erspart und ich wäre dann aus meiner Sicht eher zur Lachnummer geworden. Es bestand also schon ein erhebliches Risiko in diesem Vorhaben. Um es dann nicht mehr lange vor mir herschieben zu können und als gewisses Druckmittel, buchte ich das Hotel in Verbier ohne Stornierungsoption. Ebenso für die beiden Vorbereitungsrennen bei der SM in Evolène und beim MB Race in Frankreich. Und dies war genau die richtige Entscheidung. Denn bei der SM schaffte ich es nur ganz knapp überhaupt ins Ziel und stellte mir im Rennen praktisch jeden Meter die Frage, warum ich mir das nochmals antue. Beim MB Race Anfang Juli ging es nicht viel besser und ich wusste nach dem Rennen kaum mehr, wie ich stehen soll und ob ich es überhaupt noch bis unter die Dusche schaffe.

Schliesslich war ich dann aber irgendwann doch geduscht und meine Augen nun geöffnet. Mir wurde deutlich aufgezeigt und bewusst, dass nur weil ich Urs Huber heisse und schon überall wo ich hinkomme zuvor erfolgreich war, niemand auf mich wartet. Ein gewisses Grundniveau war wohl da, aber konkurrenzfähig war ich absolut nicht. Also musste ich mich nun zusammenreissen, damit der Schuss nicht nach hinten losging. Es blieb noch genügend Zeit bis heute, doch ich musste viel investieren. Aber es hat mir Spass gemacht, die letzten Wochen, und ich konnte neben den körperlichen Fortschritten auch eine wachsende Zuversicht gewinnen. Die bei der vor zwei Wochen spontan eingeschobenen Eiger Bike Challenge verlorenen 15 Minuten auf Martin Fanger gaben mir zusätzliche Motivation. Denn ich wusste, was ich noch optimieren kann, und dass das mindestens zwei Drittel der Differenz wettmachen wird. Tja und dann wird er vielleicht plötzlich nervös, macht einen Fehler und auf einmal stehe ich da und es passiert etwas ganz Grosses. Das war mein Traum. Realistischerweise hätte ich aber heute vor dem Start bereits für einen Podestplatz sofort unterschrieben.

Dann ging es pünktlich um 06:30 los. Zwei fast schlaflose Nächte und ein paar wehmütige Tränen, als ich zum letzten Mal in Verbier in die Startbox fuhr, lagen hinter mir. Nicht nur mit einem guten Resultat, sondern auch mit einer Präsenz im Rennen, wie man es von mir aus guten Zeiten gewohnt ist, wollte ich heute abtreten. Also fuhr ich stets in den ersten fünf Positionen, arbeitete mit, wenn gearbeitet werden musste. In der ersten langen Singletrail-Abfahrt klebte ich an Fangers Hinterrad, später auf der Kiesstrasse sorgte ich dafür, dass unser Vorsprung zwischenzeitlich wohl auf eine Minute anwuchs. Klar, entscheidend war dies noch nicht, doch der Rückstsnd musste von unseren Verfolgern im Abschnitt bis Nendaz doch zuerst wieder zugefahren werden. Schliesslich kamen Billaud, Smeenge und der mir bisher unbekannte Franzose Arioli zurück. Ich schaute mir die Kollegen etwas genauer an und es war mir klar, hier liegt ein Podestplatz nicht nur drin, er muss sogar zwingend her! In den paar kurzen Gegenanstiegen, die bis Veysonnaz folgten, fuhr ich stets mein Tempo. Ich wusste, dass ich immer wieder zurückkommen werde, während die anderen vier vielleicht dachten, ich hätte jetzt Mühe.

Doch dann musste Smeenge zuerst kapitulieren und so schlecht wie der aussah, war für mich klar, der wird nicht wieder zurückkommen. Kurz darauf war es um Billaud geschen. Doch der schaffte in Hérémence nochmals den Anschluss, nur um dann wieder als Erster und endgültig quittieren zu müssen. Doch kurz darauf bekam dann plötzlich ich Probleme und kassierte in kurzer Zeit einen entscheidenden Rückstand auf Fanger und Arioli... nicht gut! Und wir waren erst grad bei halber Rennzeit. Das wird noch mühsam, so lange alleine zu fahren, dachte ich. Gleichzeitig wusste ich, wenn ich jetzt mitfahre und überziehe, werde ich später ein Mehrfaches dafür büssen. Darum besser nun auf mich schauen. Und so wuchs mein Rückstand im Mandelonanstieg und auch dann nach Evolène weiter an, sodass es über sechs Minuten waren, als es dann in Eison hiess -> Direction Pas de Lona. Ich liess mich aber nicht verrückt machen, fuhr ein Tempo weiter, von dem ich wusste, dass ich so durchziehen kann. Dabei war ich mir ziemlich sicher, dass der junge Franzose bald in mein Blickfeld geraten wird. Doch nichts, einfach nichts... Dafür sah ich in den Kehren immer wieder den Spanier Bou ca. 2 Minuten hinter mir. Gerät sogar plötzlich noch das Podium in Gefahr?

Nein, im Gegenteil. Ich kam je länger wieder je besser zurecht und in L'A Vieille sah ich plötzlich ein blaues Trikot mit gelber Rückennummer vor mir. Das war eindeutig Arioli. Sehr schön. Eine Minute war es, als es in den noch fahrbaren Trail ging. Noch zehn Sekunden, als die Laufpassage losging. Oder anders gesagt; der Fall war klar. Ich musste mich nicht mehr übernehmen, um als Zweiter und mit solidem Polster auf dem Pas de Lona zu stehen. Ich sah in der Laufpassage dann sogar plötzlich auch Fanger wieder. Doch ich wusste, wenn alles sauber läuft, ist mein Rückstand zu gross. Trotzdem hielt ich den Druck so hoch es noch ging. Sollte in der Schlussabfahrt noch etwas passieren, wollte ich zur Stelle sein. Zuerst aber noch der Gegenanstieg. Auch der ging noch gut. Und dann vollgas zum Stausee. Danach im Trail fuhr ich auch noch schnell, aber nicht mit letztem Risiko. Dafür war mein Rückstand leider zu gross. Und so kam ich mit knapp über drei Minuten Rückstand als Zweiter ins Ziel. Damit bin ich sehr zufrieden. Ich konnte heute nochmals zeigen, was ich noch kann, und nun mit einem besseren Gefühl abtreten, als wenn ich das kleine Comeback nicht gegeben hätte.

Danke Grand Raid BCVS für den schönen Tag heute und den würdigen Abschied. Vor 23 Jahren fuhr ich hier zum ersten Mal ab Hérémence die Kurzstrecke. Ich erinnere mich, wie ich völlig überwältigt war von dieser Strecke. Im elend langen Anstieg ab Eison dachte ich, die Laufpassage fällt dieses Mal aus. Das wäre ja gar nicht möglich, dass sowas noch kommt. Sie fiel natürlich nicht aus. Und dann kam noch die nicht mehr endende Abfahrt bis nach Grimentz. Für mich damals unvorstellbar, wie das alles möglich ist mit einem Start in Verbier... Also stellte ich mich sofort an die Ziellinie und wollte sehen, wie ein Mensch aussieht, der das schafft. Und dann kam der Sieger. Ich weiss nicht mehr, wer es war. Aber ich wusste sofort, dass ich das auch einmal schaffen möchte. Dieses Ziel war für mich ein grosser Antrieb und Motivation zu Beginn meiner Karriere und war sicher ein wichtiger Baustein zu allem, was ich erreichen durfte. An diesem Rennen wurden es schliesslich sechs Siege und heute zum vierten Mal der zweite Rang.

Ganz vorbei ist es zwar noch nicht. Erst beim Nationalpark Bike Marathon am nächsten Samstag werde ich mein wirklich letztes Rennen bestreiten. Doch das werde ich nur für mich machen und somit war das nun mein letzter Rennbericht. Danke für das Mitfiebern, Daumen drücken und Lesen meiner Rennberichte während meiner ganzen Karriere.