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Bericht

Mit Rang drei schaffte ich heute den Sprung aufs Podest. Ein Podestplatz war vor dem Start mein Ziel, doch dies wirklich zu erreichen, war heute ein hartes Stück Arbeit für mich. Anders als ich es mir erhofft habe, strahlte heute nicht die Sonne vom blauen Himmel und liess mich auf dem Weg um den Nationalpark, durch das Engadin und via Guarda Richtung Ziel schwitzen. Sondern es war kalt, regnerisch und ungemütlich zwischen den frisch verschneiten Berggipfeln rund um uns herum. Absolut verständlich und richtig, dass das OK darum gestern entschied, auf die Alternativstrecke im Engadin auszuweichen, statt die klassische Strecke via Münstertal, Val Mora und über den Chaschaunapass durchzuboxen. Es hiess also noch knapp 110 Kilometer und 3'000 Höhenmeter statt 140 km und knapp 4'000 Höhenmeter zu bewältigen.

Ich entschied mich bei der Kleidungswahl heute für ein ähnliches Prinzip wie vor fünf Wochen in Schruns. Alles was ich nicht dabei hatte, konnte nicht nass und kalt werden war das Motto. Und dies war heute eindeutig ein Fehler, denn es war merklich kühler als im Montafon und dies sollte mich im Verlaufe des Rennens noch ordentlich frieren lassen. Im ersten Anstieg nach Ftan war es noch kein Problem. Nach kurzem Überblick verschaffen in den ersten Minuten stellte ich fest, dass die zwei anwesenden WM-Kandidaten, Topfavorit Seewald und auch Stauffer, eine Woche vor dem Titelkampf nicht von Beginn weg den ganz grossen Effort leisten wollten. Also fuhr ich halt lange Zeit ganz vorne der Spitzengruppe. Dies umso mehr, als mir spätestens in der ersten Abfahrt klar wurde, dass warmhalten heute wichtiger werden würde für mich als taktisch clever und energiesparend nur in der Gruppe zu sitzen und zu erfrieren. So ging das dann fast zwei Stunden lang bis an den Fusse des Anstieges zum Bergpreis. Ich wusste genau, dass die zwei Genannten hier das Zepter übernehmen werden und stellte mich darauf ein. Doch zuerst war es Barandun, der versuchte etwas Struktur in die Gruppe zu bringen. Dies war aber noch zu wenig und so verschärfte bald Stauffer. Ich versuchte dran zu bleiben, doch irgendwie brachte ich es einmal mehr nicht fertig, mich genügend zu pushen. So musste ich zusehen, wie Stauffer und Seewald Meter um Meter zwischen sich und mich legten. Ich stellte mir hundert Mal die Frage warum schon wieder und ärgerte mich über mich selber. Viel fehlte nicht und ich bin absolut sicher, dass ich es in den Beinen gehabt hätte in diesem Moment. Vermutlich die Erfahrung aus den letzten Wochen, dass ich sie früher oder später ohnehin nicht mehr parieren kann, liess mich schon bei der ersten Aktion der beiden zerbrechen, schade! Stets an meinem Hinterrad in diesem Moment war noch der junge Baumann. Und nach der Abfahrt, als ich immer noch damit haderte, schon wieder so einfach distanziert worden zu sein, drückte dieser ordentlich aufs Tempo. Zudem kämpfte ich genau in diesem Moment am stärksten mit den garstigen Verhältnissen und einen kurzen Moment zweifelte ich tatsächlich, ob ich wenigstens dieses Hinterrad werde halten können. Doch ich biss mich fest und so gingen wir zu zweit um den letzten Podestplatz kämpfend ab S-chanf zurück Richtung Ziel. Nun schienen sich die Kräfteverhältnisse etwas zu verschieben. Zwar wechselten wir uns weiterhin schön anständig ab mit der Führungsarbeit, doch Baumann machte nicht mehr so einen guten Eindruck wie noch vor wenigen Kilometern. Währenddessen konnte ich mich zumindest fangen statt weiter abzubauen.

Ich glaubte also je länger desto mehr an den angestrebten Podestplatz und als ich in Lavin ein erstes Mal versuchte, mich abzusetzen, kam ich sofort weg und die Sache schien entschieden zu sein. Ich kam dann gut durch und tatsächlich kam ich als Dritter zurück nach Scuol. Mein Ziel zwar also erreicht und mehr als der dritte Rang wäre aktuell auch an einem super Tag gegen die beiden vor mir nicht möglich gewesen. Trotzdem war ich etwas enttäuscht von mir, wie einfach ich heute wieder in die Schranken zu weisen war...

Doch dieser kleine Ärger verflog schon auf den letzten 200 Metern des Rennens. Ich hörte nämlich nun, wie Stephan Kaufmann am Mikrofon mich und meine Karriere ankündigte. Es waren nicht nur die 22 Teilnahmen und dabei der heutige 21. Podestplatz beim Nationalpark Bike Marathon, die mich emotional werden liessen. Es waren all die Geschichten, Erlebnisse und das Geleistete aus diesen vielen Jahren, was mir in diesem Moment durch den Kopf ging. Und es war vor allem diese vertraute Stimme, die schon bei meinem ersten Rennen im Juli 2001 aus dem Lautsprecher kam, die mir wieder Wärme gab, danke Stephan! Du hast mich ab meinem ersten Rennen während 25 Jahren immer wieder begleitet und es dabei stets gut gemeint mit mir.

Nun folgt also in wenigen Tagen die WM am Grand Raid BCVS. Auch da habe ich schon unglaublich viel erlebt und grosse Kämpfe gewonnen. Zu sehr hätte ich mir vor zehn, zwölf Jahren die WM auf dieser Strecke gewünscht. Doch ich musste bis zu diesem Jahr warten, bis dieser Traum in Erfüllung geht. Die WM am nächsten Samstag an "meinem" Grand Raid BCVS ist der Grund, warum ich diesen Sport auch mit 40 Jahren noch als Elitefahrer betreibe. Anders als vor einigen Jahren kann ich mir einen Sieg an dieser WM mittlerweile sicherlich nicht mehr als Ziel setzen. Aber versuchen im Wallis nochmals über mich hinaus zu wachsen werde ich auf jeden Fall!

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