Diesen Bericht zu schreiben, während das Rennen noch läuft, ist extrem hart, doch es muss nun sein!
Für den heutigen Marathon in den französischen Alpen habe ich mir vorgenommen, einfach mein Bestes zu geben. Wenn mir dies gelingt, dann bin ich auch mit dem daraus resultierenden Ergebnis zufrieden. So die Theorie. Doch heraus kam am Schluss absolut rein gar nichts. Was ist also passiert?
Um 06:00 ging es los und anstatt 140 Kilometer und 7'000 Höhenmeter wie sonst üblich bei diesem Rennen, galt es heute im Rahmen des Weltcups 100 km und 5'000 hm zu bewältigen. Ich führte das Feld über die ersten Kilometer zum ersten Anstieg und auch da noch ein paar Minuten an. Als dann die ersten ganz steilen Abschnitte folgten und sich die Topfavoriten ein erstes Mal prüften, konzentrierte ich mich auf mich selber. Schliesslich war es in etwa der 15. Rang, auf dem ich mich einordnete. So fuhr ich dann auch den ganzen ersten Anstieg und war absolut zufrieden damit.
Nach etwa einer Stunde war der Berg erklommen und es ging in die Abfahrt. Hier fiel es mir nun zunehmend schwieriger, meinen Fokus auf das Rennen zu legen, und tatsächlich verfuhr ich mich auch kurzzeitig. Zurück im Tal und im folgenden, etwas kürzeren Anstieg waren wir dann zwischenzeitlich vier Bullsfahrer gemeinsam unterwegs. Doch leider nicht für lange, denn nach zwei Stunden beendete ich das Rennen vorzeitig. Einmal mehr schaffte ich es nicht, meine gute erste Rennstunde durchzuziehen. Und anders als die letzten Male, sah ich heute auch keinen Wert darin, das Rennen fertig zu fahren und mir danach etwas zurechtzulügen. Ich bin weiterhin der Überzeugung, dass es nicht die Beine sind, in denen es fehlt. Vielmehr ist es das ganze Drumherum. Ich absolviere mein tägliches Training nach wie vor mit grosser Leidenschaft und Freude. Doch seit der Ankunft hier in Frankreich, schaffte ich es kein einziges Mal, mich wohlzufühlen und ein Lächeln über die Lippen zu bringen. Emotionen, eine Fehlanzeige. Während mir zu meinen besten Zeiten stets mein Biss, mein Wille und meine Leidensfähigkeit halfen, das Beste aus mir herauszuholen, verfliegen aktuell all diese Eigenschaften, sobald ich auf dem Rennplatz eintreffe. Darum war die Aufgabe heute das ehrlichste Resultat für mich. Ich werde nun etwas Pause und Abstand nehmen und hoffe, dass es bis zur Transalp in zwei Wochen wieder anders aussieht.