Rang vier heute am Raid Evolénard. Was früher eine Enttäuschung gewesen wäre, werte ich heute als sehr positives Ergebnis. Und noch viel wichtiger und erfreulicher ist, dass das Feuer in mir wieder brennt. Ich muss ganz ehrlich sein und zugeben, dass ich die Leidenschaft und Bereitschaft, die es jeden Tag braucht, um im Spitzensport bestehen zu können, kurz vor dem Marathon in Riva del Garda vom 4. Mai nicht mehr aufbringen konnte. Zu viele Sachen haben mich in diesen Tagen abgelenkt und beschäftigt. Stets absolvierte ich mein Training seriös, aber im Rennen, wenn sich eben alles am Limit bewegt und eine 100 prozentige Überzeugung und Bereitschaft aufgebracht werden muss, schaffte ich das nicht mehr. Auch zwei Woche später beim Jura Bike Marathon war es noch immer so und in der letzten Stunde des Rennens drehten sich damals meine Gedanken nur darum, ob ich das noch weiter machen will. Für einen kurzen Moment lautete meine Antwort damals: "Nein!".
Zum Glück schlief ich dann nochmals eine Nacht darüber und dann am Pfingstmontagmorgen war ich soweit, dass ich mich für ein ganz deutliches: "Ja, ich mache weiter!" entschied! Es kann ja nicht sein, dass ich mich nach so vielen Jahren Herzblut und Leidenschaft für diesen Sport so einfach unterkriegen lasse.
Der Sieg in Willingen war dann schön, aber es war eben auch "nur" ein Pflichtsieg, den ich von mir erwartet habe. Nicht mehr und nicht weniger.
Heute in Evolène war das dann ganz anders. Mit einem Sieg konnte ich hier nicht rechnen und selbst für ein Podium musste alles zusammenpassen. Das war ich mir vor dem Start bewusst. Und so war nicht ein Rang, sondern das eingangs erwähnte Feuer in mir zu spüren, mein Ziel von heute. Und das war definitiv zurück. Ich war bereit, im Rennen die schmerzenden Beine zu ertragen. Mein Fokus lag von Start bis Ziel beim Rennen und die Zeit verging wie im Fluge. So war der vierte Rang nur Nebensache. Auch wenn ich bei Rennhälfte noch in Schlagdistanz zu Rang zwei war und diesen dann schlussendlich doch klar verfehlte, war das heute ein ganz wegweisender Schritt für mich.
An dieser Stelle möchte ich allen, die auch in den letzten Wochen an mich geglaubt und mir vertraut haben, danke sagen.