Da ist er, der erste Sieg in dieser Saison. Zugegebenermassen war es ein Pflichtsieg, trotzdem musste zuerst gefahren werden. Die Strecke in Willingen ist tükisch. 120 Kilometer mit etwas über 3'000 Höhenmetern verleiten, die Aufgabe zu unterschätzen. Doch das Profil erlaubt keine Erholung, denn es fehlen längere steile Anstiege, was bedeutet, dass es fast immer schleichend bergauf oder bergab geht. Ein schlechter Moment kann hier in kurzer Zeit einen grossen Unterschied herbeiführen. Dies musste ich auch schon schmerzlich erfahren und nach den letzten schlechten Rennen von mir lauerte diese Falle heute umso mehr. Darum war es heute mein oberstes Ziel, endlich mal wieder von Start bis Ziel ein solides Rennen zu fahren.
Nach dem Dauerregen gestern war die Strecke entsprechend tief und kräftezehrend. Doch heute war es zumindest von oben trocken und zeitweise blinzelte sogar die Sonne durch die Wolken. Die Rennentwicklung entwickelte sich dann unvorhersehbar positiv für mich. Denn Wilhelmi diktierte von Beginn weg das Tempo. Praktisch zu keinem Zeitpunkt erwartete er eine Ablösung und zog auch auf den Flachstücken anstandslos durch. So waren wir schnell nur noch zu sechst, wenig später nur noch zu dritt. Ich ordnete mich stets an zweiter Position ein, hinter mir der Holländer Ruijter. So ging es die ersten zwei Stunden. Erst dann schien Wilhelmi etwas büssen zu müssen für seinen Einsatz und das Tempo wurde etwas langsamer. Mein Plan war es, zu versuchen, mich irgendwann (ich hatte mir eine Stelle vorgenommen) alleine abzusetzen. Noch war es aber zu früh, denn wir hatten noch nicht mal die Hälfte des Rennens hinter uns gebracht. So ging es wie bisher weiter, es wurde auch wieder etwas schneller. Dann, nach 80 Kilometern und somit deutlich früher als vorgesehen, versuchte ich es. In einer morastigen, tiefen Passage durch den Wald forcierte ich das Tempo und konnte mich absetzen. So schnell gaben sich die letzten beiden Herausforderer aber nicht geschlagen und es brauchte zehn Kilometer, bis ich ein beruhigendes Polster von knapp einer Minute auf den Holländer herausgefahren hatte. Nun hiess es verwalten und sauber durchkommen. Der Weg war doch noch ein ordentliches Stück und vor allem der letzte Anstieg wollte auch dieses Jahr kaum enden. Doch nach fünf Stunden war ich dann zurück in Willingen und es wartete nur noch der knackige Anstieg unterhalb des Sesselliftes auf mich. Ich fuhr da hoch und als ich mich danach umschaute, erschrak ich dann doch ein bisschen. Ruijter war nämlich auch bereits in diesem Anstieg und nur knapp hinter mir. Doch zeitlich war es doch immer noch eine Minute.
Und dann war es vollbracht und ich fuhr als Erster über die Ziellinie!