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Bericht

Die Marathon Schweizer Meisterschaften heute an der Eiger Bike Challenge und der Grand Raid BCVS vom nächsten Samstag waren meine zwei grossen Ziele in dieser Saison. Dass es kein Selbstläufer und es keine Geschenke geben wird, war mir klar. Doch die Voraussetzungen, nochmals Schweizer Meister zu werden, schienen auf keiner Strecke besser zu sein als hier in Grindelwald.

Kein anderes Rennen konnte ich schon öfters gewinnen. Doch dann kam der schwierige Saisonstart in Südafrika. Es folgten die mühsamen ersten Rennen im Frühling in Europa. Es reihte sich eine Enttäuschung an die andere und stets war ich froh, dass mir noch etwas Zeit bleibt bis zum August. Ich blieb immer zuversichtlich und glaubte an eine Besserung und an mein Können. Es schien langsam bergauf zu gehen und dann kam die Transalp. Ich kam gut über diese Woche und hoffte, dass der Knopf damit geöffnet war. Vor einer Woche in Ischgl kam dann aber die Ernüchterung mit einem durchzogenen Rennen. Somit war ich mir heute am Start absolut bewusst, dass es ein kleines Wunder braucht, um das angestrebte Meistertrikot zu gewinnen.

Trotzdem war ich sehr motiviert für dieses Rennen und "genoss" es, nicht der Favorit zu sein. Anders als in anderen Jahren, in denen ich an der SM nur verlieren konnte, war meine Erwartung an mich selber heute nicht der bedingungslose Sieg. Heute konnte ich nur gewinnen und alle überraschen. Darum lautete mein Ziel heute, unbelastet mein Bestes zu geben und zu versuchen, die kleine Chance zu nutzen.

Dann ging es los und nach kurzer Zeit übernahm South das Tempodiktat. Ich musste schon hier unheimlich leiden, und als dann Gysling nochmals eins drauf legte, wurde es mir zu schnell. Ich war nicht in der Lage, dieses Tempo mitzufahren und wäre es auch nicht gewesen, wenn ich gewusst hätte, dass ich nach fünf Minuten hätte aussteigen können. Als dann auch noch Stutzmann davonzog, hatten sich drei Fahrer abgesetzt, denen ich es allen zutraute, die angeschlagene Intensität über die verbleibenden vier Stunden durchzuziehen. Trotzdem gab ich nicht auf. Zwar fuhr ich so schnell ich konnte und meine Beine brannten, aber ich redete mir ein, dass meine Zeit noch kommen wird und noch nichts verloren ist. Bis auf den ersten Gipfel bekam ich dann noch Gesellschaft von Stauffer und Barandun, der Rückstand nach vorne betrug etwas über eine Minute. Es kam die Abfahrt über Bussalp und dann der Abschnitt bis Bort mit einigen Gegenanstiegen. Während Barandun den Kontakt wieder verlor, kam Stauffer besser die Gegenanstiege hoch als ich und schaffte den Wiederanschluss an Gysling, South und Stutzmann.

Ich hingegen war einmal bis auf 20 Sekunden wieder dran, doch danach verlor ich wieder Zeit. Im ganzen Anstieg bis auf die Grosse Scheidegg ging es so weiter, dass ich die Spitze zwar im Blickfeld hatte, aber nicht näher kam, sondern zusehends an Boden verlor.

Langsam realisierte ich, dass mir das Trikot davon fuhr und trotzdem gab ich nicht auf. Ich wollte mir keine Vorwürfe machen müssen und bis zum Schluss alles geben, was ich hatte. Obwohl der Zug nach vorne abgefahren war und hinter mir keine Gefahr drohte, fuhr ich auch so schnell es ging hoch auf die Kleine Scheidegg. Ich quälte mich heute mehr als in den letzten Jahren bei meinen Erfolgen auf dieser Strecke. Es nützte alles nichts. Ich erreichte das Ziel nicht nur als Fünfter, sondern auch heute wieder mit einem unglaublich grossen Rückstand. Fast zwölf Minuten länger als der neue Schweizer Meister Stutzmann war ich heute unterwegs, obwohl ich mein absolutes Maximum gab. Keine einzige Sekunde hätte ich schneller fahren können!

Hätte mir dies im Januar jemand prognostiziert, hätte ich gesagt: unmöglich! Nach den letzten Monaten hatte es sich aber bereits im Vorfeld abgezeichnet und entsprechend hielt sich meine Enttäuschung im Ziel in Grenzen. Die Ernüchterung indes war aber ein weiteres Mal imens gross. Den Aufwand, den ich betreibe, ist absolut vergleichbar mit den letzten Jahren. Die Freude am und im Training ist ungebrochen da, das Gefühl gut.

Doch wenn ich im Rennen an das Limit gehen muss, fehlen mir einfach die letzten Prozente, und mein Leistungsvermögen ist früh limitiert. Vermutlich wird sich dies auch in den verbleibenden Rennen nicht mehr grossartig verbessern. Ich werde trotzdem weiterhin versuchen, das Beste daraus zu machen.

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