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Iron Bike Race – die ganze Saison in vier Stunden zusammengefasst

Mit einem etwas weinenden, aber auch mit einem lachenden Auge stand ich heute am Start des Iron Bike Races vor dem imposanten Kloster in Einsiedeln. Weinend, weil es nach vielen Jahren heute nicht mehr über die klassische Strecke wie bisher immer ging. In den letzten Jahren war das Iron Bike nämlich stets nochmals ein sehr anspruchsvolles Rennen zum Abschluss der Schweizer Rennsaison. In den letzten Jahren hatten wir oft Glück mit dem Wetter und konnten einen goldenen Herbsttag rund um den Sihlsee mit dem knackigen Anstieg auf den Spirstock gegen Ende erleben. Ganz speziell gut in Erinnerung ist mir noch immer die Austragung 2018, als ich mich vor grosser Zuschauerkulisse als Schweizer Meister feiern lassen konnte.

Lachend, weil ich heute eben doch wieder am Start stehen konnte. Das Team von Einsiedeln schaffte es, eine neue Strecke zu planen und auch umzusetzen, und so geht es doch weiter mit dem Iron Bike. An dieser Stelle ein grosses Dankeschön an alle Mithelfenden. Es hätte etwas gefehlt ohne das Rennen in meinem Trainingsgebiet, und wenn dann nächstes Jahr wieder die Sonne scheint, ist fast alles wieder beim Alten.

Das Rennen verlief dann so wie meine ganze Saison. Ich fuhr gut, war stets bemüht und aktiv, doch am Schluss fehlte das letzte Quäntchen zum Sieg. Was ist passiert?

Eigentlich gleich von Beginn weg ging es ordentlich los. Fanger, Stutzmann oder ich. Einer von uns drei sorgte stets für Zug an der Spitze des Rennens. Mit Claes und Stauffer waren wir bereits im zweiten Anstieg Richtung Sprungschanze noch zu fünft unterwegs. Dies blieb lange so, bis sich dann Stutzmann in der Abfahrt nach Alpthal absetzen konnte. Ich kam heute mit den schmierigen Bedingungen ganz und gar nicht zurecht, und so hatte ich und alle hinter mir im Talboden 30 Sekunden Rückstand. Dies war dann aber auch der Startschuss für mich, das Rennen nun schwerer zu machen, als es dies bis hierhin war.

Ich fuhr noch zuerst die Lücke zu Stutzmann wieder zu und ab jetzt alles von vorne. Nach wenigen Kilometern schien Claes Mühe zu bekommen, und als es in die zweite Runde ging, war plötzlich auch Stutzmann nicht mehr so stark wie zu Beginn. Ich verfolgte die Taktik des hohen Dauertempos nun weiter. Fanger und Stauffer klebten noch an meinem Hinterrad, doch mehr als einfach mitfahren, taten sie nicht. Bis es das zweite Mal durch Rothenturm ging und mir vorne die Kette runter fiel. Ich musste sie wieder auflegen und sah aus meinem Blickwinkel, wie nun die Post abging. Stauffer verschärfte böse, Fanger ging nicht gleich mit und ich war dann auch bald fertig mit der Behebung meines Problems.

Nun ging es unmittelbar zum zweiten Mal in den Aufstieg auf die Lochweid. Die Situation war nun verflixt. Eigentlich führt man einem Teamkollegen nicht nach. Jedoch kam ich erst durch das Problem mit der Kette in Bedrängnis. Soll ich nun, nachdem ich fast eine Stunde von vorne fuhr, aus der Ferne mit ansehen, wie vorne die Musik spielt nur weil mir die Kette runter fiel? Zudem sah Fanger, der an zweiter Position fuhr, nicht sehr stark aus. So beschloss ich, zuerst zu Fanger aufzuschliessen und danach auch das Loch zu Stauffer wieder zu schliessen. Später kam auch Fanger wieder zurück und nun verschärfte ich.

Nun geriet Stauffer in Bedrängnis, hatte einige Meter Rückstand, doch es kam zum erneuten Zusammenschluss. Jetzt nahte das Ziel schnell. Die Abfahrt nach Trachslau war nicht selektiv und wir kamen zu dritt auf die letzten zehn Kilometer. Es war nun klar, was sich abspielen wird. Fanger setzte auf den Sprint. Von Stauffer erwartete ich noch einen Angriff, absetzen wird er sich aber nicht können. Und mein Vorhaben war es, einen Sprint möglichst zu vermeiden. Im letzten langen Asphaltanstieg fuhr dann Stauffer von vorne ich an dritter Position. Optimal für mich, um es zu versuchen und so attackierte ich. Sofort hatte ich eine kleine Lücke und konnte diese behaupten. Doch Stauffer fuhr das Loch dann nochmals zu, auch Fanger war mit dabei. Nun wurde es ganz eng. Ich hatte nochmals ein erfolgsversprechendes Szenario im Kopf, doch dies war erst kurz vor dem Ziel und da ist es immer schwierig, noch einen Unterschied zu machen. Zumal meine Begleiter auch solide über eine 4stündige Rennzeit kommen.

Drei Kilometer vor dem Ziel schien sich dann das Blatt unerwartet früh und glücklich zu meinen Gunsten zu wenden. Fanger verlor Luft im Hinterreifen. Er beschloss, nun so schnell wie möglich ins Ziel zu kommen und erhöhte das Tempo. Stauffer wurde distanziert, ich fuhr mit und wusste, wo ich versuchen möchte, mich zu lösen. Doch bereits einen Kilometer später sah es wieder ganz anders aus. Ich rutschte in einer schnellen Kurve auf der nassen Wiese weg und schlitterte meterweit wie ein Käfer auf dem Rücken über das nasse Gras.

Fanger erkannte die Situation sofort und zog nun endgültig durch, er konnte sich gerade mit noch etwas Luft im Hinterreifen ins Ziel retten und siegte! Ehe ich zum Stillstand kam, fuhr dann auch Stauffer an mir vorbei, er wurde Zweiter. Somit blieb für mich der dritte Rang.

Es war deprimierend, so viel gemacht zu haben und durch so einen Sturz (natürlich war ich selber schuld) die ganze Arbeit weg zu werfen. Es ist ja nicht das erste Mal, dass ich dieses Jahr zweiter oder dritter wurde, obwohl ich mehr drauf gehabt habe. Dies ist Motivation und Ansporn genug für mich, es nächstes Jahr zu versuchen, das Momentum wieder auf meine Seite zu bringen.

(Fotos Martin Platter)

   
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