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Grand Raid BCVS - guter 2. Rang

Heute war es wieder soweit. Punkt 06:30 Uhr wurden wir in Verbier bei Tagesanbruch auf harte 125 Kilometer und 5'000 Höhenmeter geschickt. Es war Zeit für den Grand Raid BCVS! Nach dem Regen von gestern waren die Bedingungen heute optimal und es war auch weniger kalt als ich es befürchtet hatte. Es war mir klar, dass es den Sieg heute nicht einfach so abzuholen gibt, denn das Feld war hochkarätig besetzt und auch in der Dichte gut aufgestellt. Ich erwartete mit Seewald, Stosek und Fanger drei ganz harte Brocken, die nicht einfach zu knacken sein würden. Und tatsächlich konnte ich den härtesten Konkurrenten nicht bezwingen. Trotzdem war ich zufrieden und stolz, als ich gute sechs Stunden später auf Rang zwei das Ziel in Grimentz erreichte.

Der Rennverlauf war ähnlich wie jedes Jahr. Erst nach schon fast drei Stunden wurden die Karten im Anstieg zum Mandelon auf den Tisch gelegt. Bis hier hin war es zwar etwas ungewohnt taktisch, und die Gruppe füllte sich immer wieder gegen 20 Fahrer auf, als kurz etwas Tempo rausgenommen wurde, doch das störte mich nicht. Ich fühlte mich gut und konnte relativ kraftschonend mithalten bis hier hin.

Nun aber kam Action ins Rennen. Direkt zu Beginn der Steigung auf der Asphaltstrasse setzte Stosek eine eindrückliche Attacke. Der Tscheche schoss wie mit der Steinschleuder abgefeuert aus dem Feld und setzte sich ab. Sein Angriff war für mich eine Nummer zu gross, und auch als kurz darauf Weltmeister Seewald, Petrus, der Dominator von den ersten drei Tagen in Ischgl, sowie mein Teamkollege Schneller die Lücke zufahren konnten, schaffte ich es nicht, das Tempo mit zu gehen. Meinerseits konnte ich mich aber vom verbleibenden Feld dahinter absetzen und fuhr nun zirka eine halbe Minute alleine dem Führungsquartett hinterher. Fanger schien keinen guten Tag zu haben und griff ab hier nicht mehr entscheidend ins Renngeschehen ein. Dafür passierte anderes.

Zuerst schloss Teamkollege Stauffer zu mir auf, kurz darauf musste Schneller vorne abreissen lassen. Genau bei der Alphütte Mandelon kam es dann zum Zusammenschluss von uns drei Bulls-Fahrern, das Führungstrio in etwa eine Minute vor uns noch immer in Sichtweite. Es ging nun über den steinigen Wanderweg noch weitere 150 Höhenmeter weiter hoch und ausgerechnet der einzige Fahrer in den ersten sechs mit einem Fully, der hier klar im Vorteil sein müsste, bekundete nun grösste Mühe. Petrus musste vorne für mich überraschend abreissen lassen und wir konnten ihn in kürzester Zeit ein- und überholen.

Grossartig, es roch nun nach dem Podium und doch war es noch ein langer Weg bis dahin. Noch über 50 Kilometer und der schwerste Anstieg lagen vor uns.

Nun galt es zuerst den Höhenweg zu bewältigen. Ich fuhr in unserer Gruppe von vorne und kam einigermassen gut durch. Doch gegen Seewald und Stosek blieb die Lücke konstant und auch nach der Abfahrt wurde uns in Evolène noch immer 1:05 Minuten Rückstand gemeldet. Es schien nun also danach auszusehen, dass der dreier Bulls-Zug weiterhin um den noch verbleibenden Podestrang kämpft. Ich wusste nun nicht genau wie ich mich verhalten sollte. Entweder legte Schneller das Tempo vor und ich fühlte mich damit stets komfortabel. Wenn ich jedoch vorne fuhr und etwas schneller fahren wollte, kam ich sofort an meine Grenzen. Weil hinter uns alle noch grössere Mühe zu haben schienen, reichte auch das mir "komfortable" Tempo, um in keinerlei Bedrängnis zu kommen und ich hoffte, dass die Substanz am Schluss entscheiden wird.

Kurz nach Eison, die von mir als nicht super brutal hoch wahrgenommene Leistung ab Evolène im Bullszug, bestätigte sich durch den Anstieg unseres Rückstandes auf drei Minuten innert einer halben Stunde, musste Stauffer rausnehmen und Schneller und mich ziehen lassen. Nun fuhren wir also noch zu zweit Seewald und Stosek hinterher. Es war fast wie bei Teamrennen, auch da ist die Zusammenstellung gleich. Doch heute war es kein Teamrennen und jeder fuhr für sich, Rang drei war nun ganz klar was ich wollte. Nicht mit der Brechstange, wie ich es vielleicht früher noch versucht hätte, sondern gut dosiert.

Es wartete noch immer die Laufpassage im Pas de Lona auf uns sowie der auch nochmals harte letzte Gegenanstieg. Ich fuhr dann die letzten zehn Minuten bis La Vieille und auch den ganzen Trail bis zur Laufpassage von vorne. Dann hiess es absteigen und laufen und ich wartete gespannt darauf, wie sich meine Beine nach fast fünfeinhalb Stunden Rennzeit anfühlen,  wenn es heisst noch über 200 Höhenmeter und bis auf 2'800 Meter hoch zu laufen. Erfreulicherweise heute ganz gut. Ich fand schnell einen guten Rhythmus.

Nach ungefähr der Hälfte wurde mir plötzlich gemeldet, dass Stosek grosse Probleme hätte. Und tatsächlich, da war er kurz vor mir und noch immer ging es weit bis auf den Gipfel. Ich konnte ihn überholen, und weil ich hier etwas stärker war als Schneller, lag ich nun alleine auf Rang zwei! Diesen wollte ich nun ins Ziel bringen.

Auf dem Pas de Lona hatte ich 30 Sekunden Vorsprung und auch nach dem Gegenanstieg waren es nicht weniger. Das musste reichen und doch musste ich noch die Abfahrt überstehen. Ich fuhr kontrolliert und verwaltend bis nach Grimentz und brachte acht Sekunden Vorsprung ins Ziel. Rang 2!

Zwar ein weiterer Zweiter, doch heute war ich zufrieden damit. Und obwohl der Start ziemlich langsam war und ich auch danach stets das Gefühl hatte, dass wir nicht sehr schnell fuhren, kann sich meine Zeit mit sechs Stunden und vier Minuten sehen lassen.

Einmal mehr war es ein harter, aber auch sehr eindrücklicher Tag, zudem auch die ganze Bulls Betreuercrew Entscheidendes dazu beigetragen hat. Vielen Dank für den grossen Einsatz!

   
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Swiss champion, Worlds and Europeans medalist, serial winner

 

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