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SCHWEIZER MEISTER in Einsiedeln!
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Jawohl, das war heute der Tag, auf den ich seit sieben Wochen gewartet habe. Zwar waren schon die vergangenen Wochen erfolgreicher, als ich es mir Mitte August hätte erträumen können. Doch stets hatte ich dabei diesen 30. September und die Schweizer Meisterschaften am Ironbike in meinem Kopf. Ich wusste, dass sieben Wochen ausreichen, um heute wieder den Sieg anzuvisieren und der war heute mein ganz klares Ziel. All die Resultate der letzten Wochen hätten mir nichts bedeutet, wenn ich heute nicht Schweizer Meister geworden wäre. Ich war in den letzten Tagen sehr zuversichtlich und überzeugt, dass es klappen wird wenn ich keine Fehler mache.
Glücklicherweise spielte das Wetter heute perfekt mit und es ist einfach für uns Fahrer sowie für die Veranstalter als auch für die Zuschauer um einiges angenehmer, das Ganze bei so einem prächtigen Herbsttag auszutragen.
Die ersten Kilometer entlang des Sihlsees brachten wie gewohnt keine Probleme mit sich, doch direkt im ersten Anstieg nach der Teufelsbrücke legten Looser und vor allem Stauffer los. Immer wieder war es einer der Beiden, der vorne gehörig Gas gab. Ich hielt mich noch zurück und es war mir gerade recht, dass das Rennen von Beginn weg schnell war, ohne dass ich zu viel dafür machen musste.
Die Situation hielt über die ersten paar Hügel an und auch auf der Sattelegg waren wir noch eine grössere Gruppe. Dann folgte der steile Anstieg aufs Büel und da fuhr ich ein erstes Mal von vorne, und mein Eindruck aus der Anfangsphase bestätigte sich. Stauffer schien der stärkste Gegner zu werden, alle anderen mussten sich bereits jetzt in die Karten blicken lassen. Dann folgte die Abfahrt ins Euthal und Stauffer kam als Erster auf die „Holzrugeli“, kein Problem. Doch dann zwängte sich im letzten Moment auch noch Fanger an mir vorbei und liess danach eine Lücke aufreissen. Nicht viel zwar, doch Stauffer zog zu Beginn der Steigung zur Wisstannen schön durch. Nun konnte Fanger nicht mehr und so lag es nun an mir, die paar Sekunden zu Stauffer erstmal wieder zu schliessen. Nur mühsam kam ich Meter um Meter näher, doch ich wusste auch, dass ich rund 500 Höhenmeter Zeit habe, um den Anschluss wieder herzustellen. Nach ungefähr des halben Anstieges war ich dann wieder dran und gemeinsam erreichten wir den Gipfel, danach Studen und das lange Flachstück, bis schliesslich der Hauptanstieg zum Spirstock vor uns lag.
Nun lagen die letzten knapp zwei Rennstunden vor uns und es war klar, dass wir den Titel unter uns ausfahren werden. Ich erwartete eine knappe Entscheidung, denn erstens fuhr Stauffer bereits an der o-tour sehr stark und auch heute machte er einen sehr guten und aggressiven Eindruck. Zuversichtlich stimmte mich, dass ich mich heute klar besser fühlte als im letzten Duell und eben genau auch, dass Stauffer bisher so aktiv fuhr. Dies war zwar eindrücklich, doch ich hoffte auch, dass er sich mit diesem Verhalten auch etwas ins eigene Fleisch schneidet. Bis Oberiberg fuhren wir gemeinsam und danach erwartete ich eine erste Attacke und zack war sie dann auch schon da, ich direkt wieder am Hinterrad. Es wurde nochmals etwas ruhiger, bis wir schliesslich vor den steilsten Abschnitten vor dem Adlerhorst nebeneinander immer schneller fuhren. Jeder wollte dem anderen zeigen, dass er noch da ist. Als ich dann aber nochmals etwas zusetzte, konnte ich mich absetzen und schliesslich betrug mein Polster beim Bergpreis auf dem Spirstock eine dreiviertel Minute. Schön zwar, doch trotzdem ist dies nichts wert, denn die Abfahrt bis zur Ibergeregg ist ganz schön ruppig und durchaus Defekt anfällig. Für mich in erster Position hiess es nun schnell, aber trotzdem mit möglichst kleinem Risiko hinunter zu fahren. Stauffer wenig dahinter im Wissen, dass er am Berg etwas schwächer ist, hatte absolut nichts zu verlieren und so konnte er es schön laufen lassen. Es war ein Abschnitt, in dem ich nur verlieren und er nur gewinnen konnte.
Trotzdem konnte er nur verkürzen, schaffte den Anschluss aber nicht. Bis zur Holzegg konnte ich dann nochmals ein paar Sekunden gewinnen, doch hinunter nach Brunni schaffte Stauffer den Anschluss doch nochmals. Somit gingen wir wieder Kopf an Kopf auf die letzten 15 Kilometer und es zeichnete sich ein enges Finale ab. Doch so weit liess ich es nicht kommen und bereits im nächsten, nur kurzen, aber steilen Aufstieg verschärfte ich und konnte mich sogleich auch absetzen. Das musste es nun sein und ich versuchte hoch bis zum Bogenfang so stark auszubauen, dass Stauffer geknackt ist. Dies schien mir gelungen zu sein, denn auch nach der Abfahrt nach Alpthal war er nicht wieder zurück und so hiess es ab jetzt einfach noch 20 Minuten beissen und es ins Ziel zu bringen.
Es gelang mir und so musste ich die letzten paar Minuten nicht mal mehr voll fahren. Auf dem Friherrenberg waren die letzten Höhenmeter geschafft und ich konnte es richtig geniessen, hinunter nach Einsiedeln und schliesslich als Erster vor vielen Zuschauern über den Klosterplatz zu fahren und meinen vierten Schweizer Meistertitel zu feiern. Nachdem ich das Meistertrikot im letzten Jahr kampflos abgeben musste, bin ich sehr glücklich, dass ich es mir heute wieder zurück holen konnte. Ich werde es selbstverständlich gerne und stolz auf meiner Brust tragen. Mit dem heutigen Rennen konnte ich nicht nur den Meistertitel holen, sondern mir gleichzeitig auch noch die Gesamtwertung der Bike Marathon Classics zum bereits sechsten Mal gut schreiben lassen. Sozusagen die Auszeichnung des konstantesten Fahrers über das gesamte Jahr bei den Schweizer Marathons, und dies obwohl ich die Eiger Bike Challenge aufgeben musste. Somit konnte ich heute eine Saison, die – das Cape Epic ausgeschlossen – sehr gut lief, dann aber, exakt als meine Lieblingsrennen anstanden, durch den Schlüsselbeinbruch stark getrübt wurde, doch noch stark aufpolieren. Was jetzt in den drei nächsten Wochen noch kommt ist Zugabe!
(Fotos: Martin Platter)
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