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3. Etappe Absa Cape Epic – ein langsames Sterben

128 Kilometer lagen heute vor uns, es war die längste Etappe am Cape Epic dieses Jahr. Weil wir heute aber von Elgin nach Worcester fuhren war es nicht unbedingt der schwerste Abschnitt, da wir einen Teil dieser Verschiebung auf Feldwegen zurück legten. Wir versuchten heute auf diesen Abschnitten kraftsparend zu fahren und uns in der Gruppe zu verstecken. Doch um dies umsetzen zu können, mussten wir zuerst über einen hohen Berg klettern und nach der Abfahrt nochmals zwei kürzere, dafür ganz giftige, Anstiege überstehen. Es war im Prinzip ausschliesslich Hynek, der auf diesen dreissig Kilometern das Tempo bestimmte und alles von vorne fuhr. Ich fand es schnell und war umso erstaunter, dass doch noch geschätzte zehn bis zwölf Teams diese Phase in der Spitzengruppe überstanden.

Jetzt konnten wir auf den nächsten 30 Kilometern von der Gruppe profitieren. Zwar ging es nach wie vor stets hoch und runter, dies jedoch nicht mehr so steil wie zuvor. Nach und nach wurden die übereifrigen Teams für ihren Einsatz in der Startphase bestraft und fielen zurück, sodass schliesslich nur noch Specialized, die beiden Topeaks, Merida und wir übrig blieben.

Alle schienen vorerst zufrieden zu sein mit der Situation, bis wenig später Kulhavy von einem Reifendefekt zurückgebunden wurde, exakt vor 20, nahezu komplett flachen, Kilometern. Es herrschte kurz Unklarheit wie wir uns verhalten sollen, doch dann spannten sich die vier Topeak Fahrer vor die Gruppe und fuhren mit vollem Einsatz. Uns war dies nur recht, denn so verpufften nun unsere Konkurrenten von Topeak und Specialized Kräfte, während wir im Windschatten "mitgezogen" wurden. Bereits eine Viertelstunde später war das Spiel aber beendet. Kulhavy schloss die Lücke von knapp zwei Minuten nach der Reparatur mit Sauser am Hinterrad im Handumdrehen, fuhr direkt am Feld vorbei und wechselte in der Techzone sein Hinterrad.

Wir nahmen also den uns nun bevorstehenden letzten, längeren Anstieg dieser Etappe wieder geschlossen in Angriff. Als müssten wir als Team immer alles gemeinsam machen, verloren Karl und ich innert einer Minute beide unsere zweite Trinkflasche auf dem sehr rauen Geröllweg. Im Anstieg mag uns dies ja noch entgegengekommen sein, immerhin mussten wir nun etwas weniger Gewicht hochschleppen. Doch weil das Wetter mittlerweile langsam von warm zu heiss wechselte, hiess es ab nun haushälterisch mit dem kostbaren Getränk in der einen Flasche umzugehen. Topeak 2 verlor auf den ekligen, mehreren kilometerlangen, Sandwegen nach der Abfahrt den Anschluss und auch Hermida schien am Kämpfen zu sein. In mir entwickelte sich darum die Hoffnung, dass wir heute eventuell unseren Podestplatz in der Gesamtwertung gegenüber Merida etwas absichern könnten.

Alles schien also gut zu laufen, bis mir Karl 30 Kilometer vor dem Ziel pfiff und rief: Platten! Also anhalten, sofort die Luftpatrone aus dem Trikot ziehen, nachpumpen, den wertvollen Tireplugg einsetzen und hoffen, dass es funktioniert und der Reifen wieder dicht ist wie bei mir im letzten Sommer bei der WM. Doch heute war es schlimmer, denn nicht nur Karls Reifen war kaputt, sondern auch die Felge. Äiäiäiäiäi, jetzt fährt uns die Spitzengruppe davon und wir verrecken auf dem restlichen, meist flachen und windigen, Weg ins Ziel ganz alleine, dachte ich sofort. Unser Glück im Unglück war die dritte und letzte Techzone am heutigen Tag zwei Kilometer später. Karl fuhr auf der Felge bis dahin, dann wechselten wir das Laufrad aus, füllten je unsere eine leere Flasche wieder voll auf, tranken einige Becher und machten uns dann drei Minuten nach den führenden Teams auf den Weg. Ungefähr eine Stunde lag noch vor uns.

Wir durften nicht kopflos drauflos stürmen, denn vier Stunden waren wir ja schon unterwegs und mussten unsere Kräfte gut einteilen. Oftmals rollte es gut, es gab sogar einige Abschnitte auf Asphalt aber genauso nochmals einige Sandpassagen. Zehn Kilometer vor dem Ziel fuhren wir dann während zwei Kilometern über einen Seedamm aus grossen Geröllbrocken. Dieser Abschnitt war das Ende meiner Kräfte, ich litt unter der Hitze und setzte die leere Trinkflasche immer wieder an, in der Hoffnung, dass vielleicht doch noch einen Tropfen darin ist. Auch die vier Teams vor uns wurden auf diesem Abschnitt komplett auseinander gerissen und fuhren ab hier alle einzeln ins Ziel.

Nach acht Kilometern im Windschatten von Karl kamen auch wir in Worcester an. Ich zählte auf den letzten fünf Kilometern jeden Meter und war unglaublich froh endlich über die Ziellinie gerollt zu sein. Die Etappe gewann nach über fünf Stunden, welch eine Überraschung, Specialized vor Topeak 1 und Topeak 2, 6.48 Minuten kassierten wir als fünftes Team. Auf Merida verloren wir 3.27 Minuten und fielen damit in der Zwischenwertung auf Rang vier zurück und 2.41 hinter das Podest.

An diesem Tag stand das Glück also nicht auf unserer Seite. Doch bereits morgen werden wir wieder alles daran setzen um uns wieder unter die top drei vorzuarbeiten, 111 Kilometer werden wieder für einige Geschichten sorgen!

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