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Marathon EM – Achter nach langer Aufholjagd

Ich war sehr zuversichtlich heute kurz vor halb neun, als ich mitten in der ersten Startreihe zur Marathon EM im tschechischen Jablonee stand. Die Stimmung in unserem Team war in den letzten Tagen gut, ich kannte die ganze Strecke und ich hatte das Gefühl, dass ich heute meine zweite EM Medaille nach dem dritten Rang 2008 in Albstadt gewinnen kann.

Die erste Rennstunde verlief so wie ich es mir vorgestellt hatte. Auf dem schnellen und unrhythmischen Kurs blieb das Feld eng zusammen, obwohl das Tempo immer sehr schnell war. Ich konnte mich mühelos in der Spitzengruppe behaupten. Kurz nach der ersten Verpflegung kreuzte dann aber der Titelverteidiger Medvedev in meiner Rechnung auf und machte darin einen dicken Strich über alles, indem er mir von hinten voll in mein Schaltwerk donnerte.

Er fragte zwar noch, ob alles in Ordnung sei, doch das brachte mir nun auch überhaupt nichts. Sogleich fiel mit dem nächsten Pedaltritt meine Kette zwischen Kassette und Speichen und verklemmte sich. Erinnerungen an den letzten Sonntag schossen sofort in mir hoch. Doch heute war EM und da gibt man nicht einfach so auf, zudem war an und für sich noch alles ganz. Trotzdem musste ich natürlich einen Stopp einlegen und mit ziemlicher Gewalt die verklemmte filigrane Kette wieder herausreissen und dann auch das Schaltwerk noch provisorisch wieder richten.

Dass während dieses Manövers in dieser frühen Phase des Rennens das halbe Feld an mir vorbei fuhr und mir somit einen ziemlichen Dämpfer auf meine kurz zuvor noch herrschende Zuversicht gab, versteht sich von selbst. Ich nahm das Rennen wohl an ungefähr 50. Position wieder auf, um danach noch weitere zwei Mal anzuhalten und die Schaltung erneut zu richten. Richtig funktioniert hat sie in der Folge nie mehr, aber ich fand zumindest die Position des kleinsten Übels.

Nach einem kurzen Loch sprach ich mir wieder Mut zu, dass das Rennen noch lange dauert, vorne noch viel passieren kann und ich vielleicht nochmals zurückkommen könnte. Doch realistischerweise war mir klar, dass ich heute wohl keine Zeile zu einer Rennzusammenfassung mehr zustande bringen werde. Trotzdem kämpfte ich weiter, musste natürlich auf den zahlreichen Flachpassagen sämtliche Führungsarbeit verrichten und kam dann aber doch irgendwann in eine Gruppe, wo auch meine Begleiter im Stande waren, den einen oder anderen Meter im Wind zu fahren.

Wie sich später herausstellte, ging es in dieser Gruppe noch um den achten Rang, welchen ich mir rund 15 Kilometer vor dem Ziel mit einer kleinen und mühelosen Tempoverschärfung in einem kurzen Aufstieg sichern konnte. Neuer Europameister wurde auf anscheinend spielende Art und Weise Kristian Hynek, der uns alle schon an der Alpentour vor zwei Wochen dumm hinstellte und auf den ich meine Renntaktik eigentlich ausgerichtet hatte.

Im Grunde ist ein Achter Rang an einer Europameisterschaft ein solides Resultat, welches aber natürlich niemanden und mich am wenigsten interessiert. Ohne den unverschuldeten Zwischenfall nach der ersten Verpflegung hätte ich heute erfahren, ob ich in der Lage gewesen wäre, um die vordersten Plätze zu fahren. So war es halt wieder nur ein hartes Training.

Es war nun wieder etwas viel „wäre und hätte“ in diesem Rennbericht. Nach den beiden letzten Wochenenden war ich eigentlich der Meinung, dass ich nun alles Pech für diese Saison eingezogen hätte, anscheinend musste heute aber noch mehr dazu kommen. Ich rege mich aber jetzt, rund 3 Stunden nach dem Rennen nicht mehr darüber auf. Ändern kann ich es so oder so nicht und schon in wenigen Tagen kommt das nächste Rennen. Natürlich kein Titelkampf mehr; aber es wird trotzdem die Chance sein, endlich mal wieder ein normales Ergebnis zu realisieren und eine etwas glücklichere Serie lancieren zu können.

   
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