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28. September 2008, #7 iXS sbc Einsiedeln

Das Klingeln des Weckers am Sonntagmorgen kam für mich einer Erlösung gleich. Das stundenlange drehen im Bett hatte damit endlich ein Ende. Die schlaflose Nacht hatte ihren Grund aber eher am Geläut der Klosterglocken als an der Nervosität vor dem Rennen. Darauf freute ich mich einfach extrem. Obwohl ich eine voll ausgefüllte Woche mit der Apfelernte, zwei Trainings auf der Strecke und anderen Sachen hatte, wollte ich beim letzten Rennen in der Schweiz ganz nach vorne fahren.

Foto vergrössernAllerdings ungewollt früh zog ich die Aufmerksamkeit das erste Mal auf mich. Ich musste noch schnell ins Auto. Als ich dann mit dem Bike über den Klosterplatz zurück ins Hotel fuhr, um pünktlich an die letzte Besprechung mit dem Team zu kommen, standen da schon die ersten Fahrer der Ministrecke und alles war abgesperrt. Also fuhr ich aussen rum um sprang dann über einen hohen Absatz. Dabei landete ich so unglücklich, dass es mir, begleitet von einem lauten Knall, den Pneu von der Felge riss. Glücklicherweise erachtete den Knall niemand als Startschuss. Nun musste ich also nochmals zurück ins Auto, Dichtungsmilch nachfüllen, pumpen und hoffen, dass das Ganze dicht wird und hält.

Sicherheitshalber bestellte ich noch ein Ersatzrad an den Start. Dieses brauchte ich dann aber nicht, mein Rad schien zu halten. Bei dieser ungewollten Übung kam ich in der dicken Winterjacke arg ins Schwitzen. Davon liess ich mich so sehr täuschen, dass ich als Einziger im kurzen Trikot startete. Dies merkte ich allerdings erst, als ich mich schlotternd auf den ersten Kilometern dem Sihlsee entlang im Feld umschaute. Es war also zu spät um noch etwas warmes anzuziehen. Die einzige Möglichkeit nicht zu erfrieren, war nun also schnell zu fahren. Dies tat ich dann gleich im ersten Anstieg Richtung Etzel. Bereits nach wenigen Minuten war dann eine Vorentscheidung gefallen, indem die Spitzengruppe neben mir nur noch Zahnd, Buchli und Stoll umfasste. Diese Situation blieb über die folgenden vier Hügel auf den nächsten 50 Kilometern unverändert.
Die Aufstiege fuhr ich in erster Position immer so schnell hoch, dass ich nicht kalt hatte und in den Abfahrten war ich an den entscheidenden Stellen aufmerksam und konzentriert, konnte meine Streckenkenntnisse von der Besichtigung ausspielen. Grundsätzlich war die Stimmung in unserer Gruppe aber gelöst. Es blieb jedenfalls genügend Zeit für den einen oder anderen Wortwechsel und Witz. Eigentlich mag ich solche Situationen nicht. Wenn in einem Rennen viel geredet wird, dann ist es aus meiner Sicht zu wenig selektiv und meine Chancen sinken damit. Heute war mir das aber egal. Es war das letzte mal in dieser Saison, dass die Schweizer Marathonelite unter sich war.

Foto vergrössernMit Beginn des langen Aufstieges über Oberiberg und Fuederegg auf den Spirstock war dann fertig lustig. Schliesslich ging es nochmals um einen begehrten Sieg in der iXS classic. Wie schon zuvor fuhr ich wieder als Erster den Berg hoch. Diesmal allerdings etwas schneller. Anscheinend aber doch zu wenig schnell, jedenfalls blieb unsere Gruppe zusammen. Auch nach der Hälfte des Anstieges noch das gleiche Bild. Ich merkte, dass ich nicht wegkomme. Erst auf den letzten Metern Richtung Bergpreis, in einer Laufpassage, fiel die Gruppe dann auseinander. Buchli konnte sich ein paar Sekunden von Stoll und mir absetzen, während Zahnd abreissen lassen musste. In der groben Abfahrt Richtung Ibergeregg konnte ich es dann ordentlich laufen lassen, mit dem Gedanken, fahrendes Ersatzmaterial hinter mir zu wissen. Allerdings organisierten sich diesen Vorteil alle aus der Spitzengruppe, sodass die Situation unverändert blieb. Wenig später in der groben Abfahrt von der Holzegg Richtung Brunni war ich dann nicht bereit, soviel Risiko einzugehen wie Stoll, der nun zu seinem Teamkollegen aufschliessen konnte. Das war allerdings auch nicht nötig, denn die Beiden fuhren nachfolgend ein paar unnötige Meter, obwohl die Strecke seit Jahren gleich ist - und wir waren wieder zu dritt.
Bis ins Ziel blieben nun noch 16 Kilometer und zwei Aufstiege. Ich hatte nun nur eine Möglichkeit, dieses Rennen zu gewinnen, indem ich die Verantwortung übernahm und das Tempo forcierte, den Beiden sogar keine Möglichkeit gab, ihren Vorteil als Duo auszuspielen. Der Plan schien aufgehen zu können, jedenfalls verlor Buchli im ersten Anstieg ein paar Meter, welche er in der folgenden Abfahrt versuchte wieder zuzufahren, bis ein Defekt ihn stopte. Nun war die Ausgangslage also wieder offen, es kam zum Duell zwischen Stoll und mir, wie vor ein paar Tagen in St.Wendel. Allerdings ging es heute nicht um den letzten Podestplatz sondern um den Sieg und ich hatte nicht 80 Kilometer, die ich am Limit gefahren bin, hinter mir. Die Chancen standen absolut gleich, was ich, mehr als mir lieb war, zu spüren bekam. Jedenfalls konnte ich mich im letzten Aufstieg nicht absetzen, obwohl ich so schnell fuhr, wie ich konnte.
Ab Mitte Anstieg begrub ich meine Absicht, mich absetzen zu können und konzentrierte mich auf den Sprint. Also fuhren wir nun nur langsam und nebeneinander Richtung Ziel. Auf keinen Fall wollte ich als Erster auf den Klosterplatz einbiegen um dann da noch überholt zu werden. Wie bestellt, trat dann Stoll an, schoss als Erster um die Hausecken auf den Klosterplatz. Ich klebte ihm allerdings am Hinterrad und konnte dann voll durchziehen.

Nach meinem Knall am frühen Morgen zog ich an gleicher Stelle die Aufmerksamkeit ein weiteres Mal auf mich. Diesmal allerdings gewollt. Mit nur sechs Sekunden Vorsprung konnte ich Saisonsieg Nummer elf feiern. Darüber freute ich mich extrem, weil er erst mit Erreichen der Ziellinie feststand und ich nicht schon viele Kilometer Zeit hatte, mich darüber zu freuen. Schon kurz darauf kam dann auch Zahnd ins Ziel, als Dritter. Wir belohnten unser ganzes Team vor Ort also mit dem Sieg und einem weiteren Podestplatz für die sensationelle Unterstützung. Mit dieser Betreuung konnte eigentlich gar nichts schief gehen. Herzlichen Dank dafür und auch allen, die wegen mir den Weg nach Einsiedeln auf sich genommen haben um für mich zu fanen.

Foto vergrössernBei der Gesamtsiegerehrung der Serie wurde ich dann ein weiteres Mal ins Leadertrikot eingekleidet. Diese Szene war ein grosses Ziel von mir für diese Saison. Dass ich sechs von sieben Rennen gewinnen konnte ist eigentlich ein absoluter Wahnsinn, allerdings nicht nur Glück. Ich weiss was ich den ganzen Winter dafür gemacht habe! Und ich freue mich bereits auf den nächsten Winter. Zuerst aber folgen noch zwei Rennen und dann auch eine verdiente Pause.

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(Fotos: Martin Platter / Noldi Huber)

   
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