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20. September 2008, #4 iXS EBE St. Wendel – Kampf um Sekunden

Mit einem eigentlich beruhigenden Polster startete ich zum finalen Rennen der Euro Bike Extremes in St. Wendel. Trotzdem wusste ich, dass es keinen Platz für Fehler gibt und legte meine Taktik für das Rennen dementsprechend aus. Mein Tagesziel war es, den Gesamtsieg aus dem Vorjahr zu verteidigen.

Nach den ersten Kilometern sah es sehr gut aus. Ich fuhr in der Spitzengruppe und hatte alles im Griff. In den nur kurzen Anstiegen hielt ich stets das Tempo hoch, ohne an mein Limit zu gehen, auf den Flächen hielt ich mich eher etwas zurück und schonte so meine Kräfte, um dann die Abfahrten wieder von der Spitze aus in Angriff zu nehmen und zu kontrollieren.
Bereits nach wenigen Kilometern waren wir nur noch zu sechst. Ich fühlte mich gut und dachte alles im Griff zu haben. Nach gut 20 Kilometern sollte sich dies dann aber ändern. An erster Position merkte ich, wie sich mein Hinterrad in einer Abfahrt immer weicher anfühlte. Ich hoffte, dass es am Waldboden lag. Doch dies war nicht der Fall, vielmehr verlor mein Reifen Luft. Ich musste anhalten und nachpumpen. Durch diesen Zwischenfall wurde das Rennen lanciert. In der Spitzengruppe erhöhten Buchli und Stoll natürlich sofort die Kadenz. Mit allen Kräften versuchten sie verständlicherweise zu verhindern, dass ich nochmals zurückkomme. Stattdessen musste ich kurz darauf einen zweiten Stop einlegen. Der Schnitt im Pneu war zu gross, als dass die Dichtungsmilch ihn hätte schliessen können. Also musste ich einen Schlauch verwenden. Von der ersten Verfolgergruppe überholt und mittlerweile auf Position 14, nahm ich das Rennen wieder auf. Der Rang interessierte mich allerdings nicht sehr. Entscheidend für die Gesamtwertung war der Zeitabstand zu Buchli. Dieser lag bei etwa fünf Minuten. Bis ins Ziel blieben mir allerdings noch über 80 Kilometer um diesen abzubauen. Also gab es für mich ab sofort nur eines. Alleine Vollgas zu fahren und zu hoffen, dass meine Kräfte länger reichen werden als die von Buchli. Ich brauchte allerdings ein paar Minuten um meinen Rhythmus wieder zu finden und wechselte dann am nächsten Verpflegungsposten auch noch mein Hinterrad um auf sicher zu gehen.

All dies kostete mich eine weitere Minute und so betrug mein Rückstand gut 70 Kilometer vor dem Ziel genau sechs Minuten. Nun startete ich aber meine Aufholjagd definitiv. Alleine kämpfte ich gegen den Wind, fuhr so schnell ich konnte die kurzen Anstiege hoch und die slalomartigen Abfahrten um die Bäume. Das Ganze war ich mir aus den letzten Rennen ja eigentlich gewohnt. Statt den Kopf hängen zu lassen, konnte ich mich sehr gut motivieren. Die neue Situation sorgte für Spannung. Bald konnte ich die erste Verfolgergruppe ein- und sogleich überholen. Auch mein Rückstand nach ganz vorne wurde immer kleiner, allerdings nur sehr langsam, denn auch da wurde gefahren was ging. Etwa vierzig Kilometer vor dem Ziel konnte ich dann zu Stoll aufschliessen. Allerdings wusste ich, dass mir dies nichts nützt, da er mir sicher nicht helfen wird. So verschwendete ich keine Sekunde um mich etwas auszuruhen und fuhr weiter. Nach bald zwei Stunden am Limit schienen nun die Anstiege immer steiler und der Wind stärker zu werden. Trotzdem stand bald auch Genze vor mir, der keine Reaktion mehr zeigte. Somit lag ich nun an dritter Stelle. Hinter mir allerdings noch immer Stoll.
Ich erinnerte mich an mein Tagesziel und fuhr so schnell ich noch konnte weiter, war mir natürlich bewusst, dass ich damit den letzten Podestplatz verschenke, doch das war mir egal. 14 Kilometer vor dem Ziel bekam ich mitgeteilt, dass vorne Zahnd wegfahren konnte, was nicht nur den Tagessieg für meinen Teamkollegen bedeutet, sondern auch meine Chancen umgehend erhöhte. Wenig später sah ich dann allerdings, dass Buchli wieder aufschliessen konnte. Wenige hundert Meter vor dem Ziel kam dann der Angriff von Stoll auf den letzten Podestplatz, welchem ich nach nun 80 Kilometern in Zeitfahrmanier nichts mehr entgegen setzen konnte. Trotzdem kämpfte ich bis zum letzten Meter.

Im Ziel wollte ich sofort wissen, wie das Rennen ausgegangen ist. Die gute Nachricht; Thomas Zahnd hat das Rennen gewonnen! Herzliche Gratulation. Allerdings betrug sein Vorsprung auf Buchli nur wenige Sekunden. Ich wusste, dass ihm dies zum Gesamtsieg reichen würde, herzliche Gratulation zum Zweiten. Als dann der Speaker verkündete, dass nur ein einziger Punkt den Ausschlag gab, keimte bei mir nochmals etwas Hoffnung auf. Allerdings wurde meine Annahme umgehend bestätigt und Buchli als Gesamtsieger erkoren.
Klar war ich im ersten Moment enttäuscht, den Gesamtsieg durch solche Umstände und so knapp verpasst zu haben. Schon wenige Minuten später hatte ich mich dann aber damit abgefunden, denn es war mein erster Defekt seit über einem Jahr. Zudem habe ich auf den 80 Solokilometern alles gegeben was ich hatte und muss mir daher keine Vorwürfe machen. Das Glück stand heute ganz einfach seit langer Zeit das erste Mal nicht auf meiner Seite.
Vielen Dank trotzdem an unser Team an der Strecke für die einmal mehr einwandfreie Betreuung.

   
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Swiss champion, Worlds and Europeans medalist, serial winner

 

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