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14. September 2008, Schwarzwald Bike Marathon – Die lange Flucht

Am StartAls ich am Samstagnachmittag meine Sachen für die o-tour packte, rechnete ich mit dem Schlimmsten und staubte die dicksten Winterkleider aus. ’’Es gibt kein schlechtes Wetter, nur unpassende Kleider’’, war mein Motto. Wie es ist bei eiskalten Temperaturen, Dauerregen und Schneefall stundenlang zu biken, wusste ich spätestens seit der Streckenbesichtigung vom Swiss Bike Masters. Insofern konnte mich die Wetterprognose für den Sonntag nicht aus der Ruhe bringen.
Als ich dann allerdings gegen 16 Uhr in Alpnach ankam, herrschte Weltuntergangs- Stimmung. Ich traf auf Umstände, wie ich sie vor einem Rennen noch nie erlebt habe. Auf dem Ausstellungsgelände war kein Bein anzutreffen, stattdessen waren alle in der Festwirtschaft und versuchten sich mit Kaffee aufzuwärmen. Dabei herrschte eher eine betrübte Stimmung wie an einer Beerdigung, statt der knisternden Anspannung wie normalerweise vor einem Rennen.
Als ich dann hörte, dass die Strecke aufgrund unmöglich gewordenen Bachquerungen zum wiederholten male abgeändert ist, die Startzeit verschoben wurde und erst am Sonntagmorgen um 8 Uhr entschieden wird ob überhaupt ein Rennen stattfindet, passte sich meine Stimmung dem Wetter an. Ich hatte mich auf ein Rennen eingestellt und freute mich darauf. Stattdessen war für mich ab sofort klar, dass das Rennen nicht stattfinden wird. Als es beim Nachtessen immer stärker regnete, war für mich das Wochenende definitiv gelaufen und ich verzichtete auf die sonst üblichen Teigwaren.

Statt die letzten Rennvorbereitungen vorzunehmen, die Bidons vorzubereiten und frühzeitig zu schlafen, verschoben wir uns in ein anderes Lokal. Ab nun verkürzten wir uns die Zeit, indem wir uns gegenseitig viele lustige Geschichten und Anekdoten der aktuellen Saison erzählten. Wenn das Stöckli-Craft Team nämlich unterwegs ist, gilt der Fokus zwar stets den harten Rennstunden, rundherum ist die Stimmung aber immer gelöst und es wird viel gelacht. Dies ist der eigentliche Spirit unseres Teams und von jedem Rennwochenende gibt es eine eigene Geschichte zu erzählen. Es war lustig und gemütlich. Trotzdem passte mir dies nicht richtig, denn diese Geschichten wollte ich mir bis nach der Saison und für das Training über den Winter aufsparen. Das Unwissen was am Sonntag läuft, ob das Rennen gestartet wird oder nicht, stellte mich nicht zufrieden. Auch Thomas Zahnd war nicht restlos zufrieden und sagte, die Fahrer, die sich gegen die o-tour und für den Schwarzwald Bike Marathon in Furtwangen entschieden haben, hätten wohl die bessere Wahl getroffen.

Furtwangen. Dies war für mich das erste Wort einer weiteren Heldengeschichte. Sofort warf ich einen prüfenden Blick zu Fonti und sah dabei ein motiviertes Nicken. Kurz darauf waren alle Taschen wieder gepackt, alles Material von Zahnd und mir in mein Auto geladen und ein Fluchtplan erstellt. Nun ging es darum, das sinkende Schiff möglichst schnell zu verlassen und keine Zeit zu verlieren. Um halb zehn starteten wir ohne ein Hotel zu haben Richtung Schwarzwald. Unterwegs wurde alles weitere organisiert. Nachts um halb eins erreichten wir unser Ziel. Das kurzfristig gefundene Hotel lag direkt neben dem Start! Wenige Minuten später schliefen wir bereits, bis uns um vier Uhr die Wecker bereits wieder aus dem Schlaf rissen. Frühstück, Startnummer lösen, sich einen Überblick über die Strecke verschaffen und die Verpflegung organisieren und vorbereiten, Rennkleider anziehen und bei Dunkelheit Richtung Start war das weitere Programm. Punkt sieben Uhr starteten wir dann zu 120 Kilometern und 3000 Höhenmeter. Mittlerweile regnete es übrigens nicht mehr, dafür lagen die Temperaturen nur wenig über dem Gefrierpunkt. Noch wenige Stunden zuvor wussten wir nicht, dass wir hier fahren werden!
Der Rennverlauf ist dann bedeutend schneller erzählt als das Drumherum. Bereits nach dem ersten Anstieg umfasste die Spitzengruppe lediglich noch vier Fahrer. Zahnd, Bettinger, Spaeth und mich. Als dann Spaeth nach knapp 50 Kilometern bereits das dritte Opfer eines Reifendefekts wurde, blieb ich als Letzter übrig. Ab nun fuhr ich in einem hohen Rhythmus und der nötigen Vorsicht in den ausgewaschenen Abfahrten weiter. Ich wollte nicht das vierte Opfer eines Defektes werden. Bei Rennhälfte teilte mir Fonti dann mit, dass die o-tour abgesagt wurde. Unsere Flucht hat sich also als richtig erwiesen. Allerdings schien sie nicht mehr enden zu wollen. Die Anzeigetafeln alle zwei Kilometer kamen nur langsam näher. Es fehlte auch ein langer Aufstieg um sich mal orientieren zu können. Stattdessen ein stetes Auf und Ab. Dazwischen flache Abschnitte mit Gegenwind. Ich war dann froh, als ich nach 4 Stunden und 41 Minuten das Ziel erreichte. Fünf Minuten später folgte Zahnd als Zweiter, Dritter wurde Spaeth.

Mein erneuter Sieg war zwar schön. Noch viel spezieller waren aber natürlich die Umstände. Als wir in Alpnach abreisten, war unser Entscheid ein gewisses Risiko. Wenige Stunden später hat sich dieser aber als goldrichtig erwiesen. Statt in der Innerschweiz die Startnummer unverrichteter Dinge vom Bike zu reissen, feierte unser Team einen Doppelsieg im Schwarzwald! Dieses Wochenende wird sicher noch lange für einiges Schmunzeln sorgen.
Ein ganz grosses Dankeschön an dieser Stelle an Fonti, der sich einmal mehr voll ins Zeug legte und in gewohnter Manier souverän am Streckenrand stand, als ob er bereits am Samstag alles besichtigt hätte.

   
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Swiss champion, Worlds and Europeans medalist, serial winner

 

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