RSS Feed

Twitter    Facebook, Urs Huber

 

 

News / Archiv
 

20. Juli 2008, #4 iXS sbc / #2 iXS EBE Küblis – ich lebe noch

Foto vergrössernEs war ein gutes Gefühl, als der Speaker am Sonntagmorgen vor dem Start gleich nach dem Dreifachen Masters Sieger Thomas Dietsch mich aufsuchte um ein kurzes Interview zu führen. Immer wieder wurde mein Dritter Rang an der WM erwähnt und dass ich heute der Favorit sei. Ich versuchte das Ganze etwas herunterzuspielen und erklärte, dass während 120 Kilometern sehr viel passieren kann. Doch wie bereits vor dem Rennen angekündigt, zählte für mich nur der Sieg, ich wollte mein Lieblingsrennen unter allen Umständen gewinnen.

Um 6.35 Uhr übertönte dann der Startschuss alle bisherigen Worte. Ab jetzt mussten die Beine sprechen, und das ist oftmals die ehrlichste Sprache. Ich übernahm die Verantwortung gleich ab dem ersten Meter und bestimmte das Tempo an erster Stelle. Bereits nach wenigen Kilometern des ersten langen Aufstieges Richtung Bergpreis konnte sich eine Sechser-Spitzengruppe absetzen. Einen Angriff von Thomas Stoll vor einem Singletrail in der Hälfte des Aufstieges konterte ich erfolgreich, während diese Aktion Dietsch den Anschluss kostete.
Nach 13 Kilometern waren wir also noch zu viert an der Spitze, Thomas Zahnd, Lukas Buchli, Thomas Stoll und ich. Eine erste Vorentscheidung schien bereits zu diesem frühen Zeitpunkt gefallen zu sein und  meine Taktik Früchte zu tragen. In den folgenden Minuten hielt ich mich etwas zurück, wollte mich auf den oben wartenden Bergpreis konzentrieren. Buchli schien diesen auch auf der Rechnung zu haben und es kam zum Sprint zwischen uns um die vorentscheidende Einfahrt in den schlammigen Trail. Dabei kamen wir uns in die Quere weil Buchli den Abzweiger später erwartete, trotzdem konnte ich dann als Erster einbiegen und fünf Kilometer später den Bergpreis bei der Carschinahütte auf über 2200 Metern deutlich gewinnen.
In der folgenden Abfahrt setzte ich dann meine herausgefahrene Reserve zu Gunsten einer sicheren Linie ein. Buchli und Zahnd schafften nochmals den Anschluss, während Stoll das erhöhte Risiko mit einem Defekt büsste und aus der Entscheidung fiel. Über St. Antönien und eine folgende Tragepassage erreichten wir Saas, wo der Anstieg auf die Madrisa ihren Anfang nahm. Je länger der Anstieg dauerte, desto schwerer drehten meine Beine. Das hohe Tempo von Beginn weg spürte ich schon deutlich stärker als mir lieb war und das bereits vor Rennhälfte. Umso erstaunter war ich dann, wie deutlich ich mich kurz vor dem Gipfel mit einem Angriff von meinen Begleitern absetzen konnte um auch diesen zweiten Bergpreis zu gewinnen. Dies gab mir die Gewissheit, dass es auch meinen zwei Begleitern nicht mehr besser geht und stimmte mich wieder zuversichtlicher. Zudem hatte ich wieder etwas Reserve für die Abfahrt.

Seit Tagen begleitete mich der Alptraum, dass mich ein Platten bremst und aus dem Rennen um den Sieg wirft. Da war das sprinten um die Bergpreise genau das richtige Gegenmittel. Ich überstand aber auch diese Abfahrt schadlos und in Klosters waren wir wieder zu Dritt. Es wartete nun der lange Aufstieg auf die Fideriser Heuberge. Auf den ersten Kilometern noch auf Kiesstrassen führt die Strecke später über technische Trails, die teilweise auch zu Fuss zurückgelegt werden. In diesem Abschnitt, genau mit Beginn der zweiten Rennhälfte, begann mein absolut härtestes Duell, welches ich je bestritten habe. Während Zahnd etwas rausnehmen musste, schenkten sich Buchli und ich keinen Millimeter. Wo immer möglich fuhren wir nicht hinter- sondern nebeneinander. Kaum war einer eine Handbreite voraus, konterte der andere. In den technischen Abschnitten versuchten wir oftmals mit unterschiedlichen Linien ein paar Meter zu gewinnen. Wir zermürbten uns gegenseitig, taten uns richtig weh. Beide litten und quälten sich und keiner wollte eine Schwäche zeigen. Gebracht hat es ausser Schmerzen nichts, auch auf den Heubergen waren wir noch zusammen. Ab jetzt sah ich die besseren Karten auf meiner Seite. In der langen, rasanten Anfahrt liess ich Buchli das Risiko bestimmen und klammerte mich nur an sein Hinterrad, während ich überzeugt davon war, ihn im folgenden Aufstieg nach Nuois entscheidend distanzieren zu können.
Foto vergrössernDer erste Teil meines Planes ging auf, wir erreichten zusammen Pragg-Jenaz. Es folgte eine Schiebepassage und dann der erwähnte Aufstieg. Gleich mit Beginn dessen forcierte ich das Tempo, gab alles was ich noch hatte. Buchli fuhr nicht mehr neben sondern hinter mir. Gut, es schien zu klappen. Doch ganz so einfach ging es dann doch nicht. Ich konnte mich einfach nicht absetzen. Ich fuhr so schnell ich konnte, doch es brachte nichts, er blieb dran. Es waren meine härtesten Meter seit je, ich glaubte sterben zu müssen. Doch ich konnte nicht reduzieren, denn in diesem Moment hätte er mich wohl stehen gelassen. Ich konnte nur hoffen, dass die Schmerzen für Buchli vor mir zu gross werden. Nichts, er blieb dran. Ich merkte, dass ich mein vorgelegtes Tempo nicht bis am Ende dieses Aufstieges durchziehen konnte und sah mein Ende immer näher kommen. Genau in diesem Moment ging das Loch doch noch auf. Ich wusste, dass dies die Entscheidung ist. Dank der aufkommenden Euphorie konnte ich nochmals ein paar Meter in diesem Rhythmus weiterfahren und den Abstand entscheidend vergrössern. Ab jetzt gab es kein Zurückschauen mehr, sondern nur noch so schnell wie möglich ins Ziel. Bis dahin fehlten noch 15 Kilometer.
Zurück nach Jenaz und dann über Fideris ins Ziel nach Küblis. Den Sieg an einem der härtesten Bikerennen vor Augen liess nochmals alle Schmerzen vergessen. Nach 120 Kilometern, 5000 Höhenmetern und 5:49.58 stand der Sieg fest. Ein grosser Traum von mir ging in Erfüllung. So stark musste ich allerdings noch nie leiden. Unser Duell in der zweiten Rennhälfte hätte eigentlich zwei Sieger verdient. Teamkollege Zahnd als Dritter komplettierte das Podest. Einziger kleiner Wehrmutstropfen war, dass es für den Sieger nicht mehr ein Steinbockgeweih war, welches ich mir so sehr gewünscht habe, sondern neu ein Bild. Naja, aber auch damit kann ich nun gut leben…

Der Sieg am Masters ist nun bereits mein Dritter im vierten iXS swiss bike classic Rennen, sowie der zweite in der iXS Euro Bike Extremes. Beide Rennserien sind mir somit kaum mehr streitig zu machen und ich scheine meine Vorjahressiege wiederholen zu können.
Einmal mehr geht natürlich wieder ein nicht zu unterschätzender Teil dieses Sieges auf das Konto des Betreuerteams am Streckenrand, herzlichen Dank.

Zur Fotogalerie

(Fotos: Martin Platter)

   
  Druckversion anzeigenSchrift vergrössernSchrift verkleinern  

Teamsponsor
 
 

 

 
Personal Main-Sponsors
 

 
Personal Co-Sponsors

 
 
 
 

     
 
 

Swiss champion, Worlds and Europeans medalist, serial winner

 

© created by walti-design