RSS Feed

Twitter    Facebook, Urs Huber

 

 

News / Archiv
 

5. Juli 2008, Marathon WM – Tränen im Ziel und der Sieg danach

Foto vergrössernEinen Platz unter den ersten Zehn setzte ich mir vor der Saison zum Ziel für die Marathon WM in Villabassa/Südtirol.

Meine Resultate in den vergangenen Wochen liessen mich je näher das Rennen kam desto mehr daran glauben, dass dieses Ziel realistisch ist. Selbst bei der Startaufstellung liess ich mich nicht von meinem Glauben abbringen. Statt mich von den vielen grossen Namen und den fanatischen Zuschauern die ihre Italiener lautstark empfingen, einschüchtern zu lassen, sah ich genau darin meine Chance. Ein gutes Resultat wäre unter diesen Umständen umso wertvoller. Ich freute mich also auf 120 Kilometer und knapp 4000 Höhenmeter, auf denen ich der ganzen Welt zeigen konnte, zu was ich in der Lage bin.

Punkt 12 Uhr wurde der Startschuss abgefeuert und kurz darauf begann der Anstieg auf Plätzwiese. Unter dem Diktat der Italiener wurde ein ziemlich hohes Tempo angeschlagen. Nur mit vollem Einsatz konnte ich den Anschluss an die Spitzengruppe halten, um dann wenig später doch abreissen lassen zu müssen. Als bereits zu diesem frühen Zeitpunkt meine Beine schmerzten und ich trotz vollem Einsatz nicht vorne dabei war, schoss in mir der Gedanke auf, dass eine WM möglicherweise doch noch eine Nummer zu gross für mich ist. Aber ich gab nicht auf, wusste dass das Rennen noch lange geht und die Hitze ihre Opfer fordern wird.

Knapp eine Minute betrug mein Rückstand auf die Spitze, als die rasante Abfahrt Richtung Schluderbach ihren Anfang nahm. Ohne Rücksicht auf Verluste wollte ich dabei so schnell wie möglich den Anschluss wieder herstellen. Genau am Ende der Abfahrt schaffte ich es dann. Wenig später kamen nochmals ein paar wenige Fahrer dazu, sodass sich nun 18 Fahrer entscheidend absetzen konnten. Nun ging es fast 20 Kilometer flach oder leicht abfallend das Tal hinaus bis Toblachen und Innichen. In dieser Phase versteckte ich mich in der Gruppe, um nicht unnötig Körner verbrauchen zu müssen, denn es war klar, dass das Rennen im zwar nicht langen, aber steilen Anstieg zur Haunoldhütte neu beginnen wird. Zwar konnte ich wieder nicht ganz vorne mithalten, doch zumindest ging es anderen schon vor mir so. Zusammen mit Buchli versuchte ich den Abstand in Grenzen zu halten, was uns auch gut gelang. In der Abfahrt auf rutschigen Kiesstrassen konnten wir dann zu Frischknecht aufschliessen. Mit vereinten Kräften schafften wir im leichten Anstieg bis Sexten nochmals den Anschluss an die Spitzengruppe. Zum Verschnaufen blieb allerdings kaum Zeit. Im langen und zum teil sehr steilen Anstieg Richtung Bergstation Rotwand begann das Ausscheidungsfahren erneut. Vorne setzte sich mit Paulissen, Sauser und Paez ein Trio deutlich ab. Dahinter folgten weitere Fahrer, die jeweils solo unterwegs waren. Einzig Buchli und ich waren gemeinsam unterwegs. Wir ergänzten uns super und orientierten uns nach vorne. In den steilsten Stellen und unter der brennenden Sonne Positionen gut zu machen um uns den ersten Fünf zu nähern, motivierte uns zusätzlich.

Nach einer kurzen Abfahrt erreichten wir den Kreuzbergpass. Hier standen wie bei manchen Teilen der Strecke viele Zuschauer am Rand und sorgten für eine WM würdige Stimmung. Besonders jubelten sie natürlich dem wenig vor uns fahrenden Italiener Cattaneo zu. Dies beflügelte auch uns und wir konnten zu ihm aufschliessen und zusammen mit Näf sogar leicht absetzen. Kurz darauf sahen wir vor uns Simoni und schon hatten wir auch ihn eingeholt. Der zweimalige Sieger des Giro d’Italias ist in Italien ein Radsportidol und sehr beliebt. Daher war es sehr eindrücklich wie die Fans fast ausflippten, als sie ihren Star sahen. Diesem half das aber anscheinend auch nicht mehr viel, denn nur mit Mühe konnte er sich im coupierten Abschnitt und der langen Abfahrt an unseren Hinterrädern halten. Ganz anders ging es mir. Ich fühlte mich immer besser und war froh, dass uns noch immer ein Drittel des Rennens bevorstand. Zwar schien das Podest ausser Reichweite, das Trio vorne lag bereits über drei Minuten weg. Doch ich glaubte der Stärkste aus unserer Gruppe zu sein und damit den vierten Rang erreichen zu können. Mein Eindruck war nicht falsch. Als dann in Vierschachen ein rund zehn Kilometer langer Aufstieg begann, musste zuerst Simoni die Segel streichen. Wenig später konnte auch Näf nicht mehr folgen und verabschiedete sich mit motivierenden Worten von uns. Nach über 50 gemeinsamen Kilometern mit Buchli hat uns diese Zusammenarbeit also in die ersten Fünf gebracht. Ab nun schenkten wir uns nichts mehr. Zwar litten wir beide, doch mit einer super Rangierung vor Augen spürten wir keine Schmerzen.
Foto vergrössernZirka in der Hälfte des Aufstieges konnte ich mich dann absetzen. Nach einer schnellen Abfahrt passierte ich 15 Kilometer vor dem Ziel die letzte Verpflegungsstelle. Was ich da zu hören bekam, konnte ich kaum glauben. Mein Abstand zu Rang drei betrug nur noch eine Minute. Dies liess mich dem Ziel regelrecht entgegenfliegen. Mein Rückstand wurde schnell kleiner. 50 Sekunden, 40 Sekunden, 30 Sekunden… wurde mir zugerufen. Und tatsächlich, wenig später sah ich Paez vor mir, der völlig einbrach und regelrecht stand. Genau zehn Kilometer vor dem Ziel fuhr ich an ihm vorbei. Der Kolumbianer zeigte nicht die geringste Reaktion. Ich versuchte zu vergessen was soeben geschehen ist und konzentrierte mich weiter, denn ich musste ja das Ganze noch ins Ziel bringen. Nach 4:51.56 wurde es dann Realität. Genau fünf Minuten hinter dem neuen Weltmeister Paulissen und Titelverteidiger Sauser erreichte ich das Ziel als sensationeller Dritter. Paez wurde Vierter vor Näf und Buchli, der nach einer couragierten Fahrweise noch einen Platten einfing, schade.

Meine Zielankunft war ein unbeschreibliches Gefühl. Im Ziel musste ich vor Freude sogar weinen! Die Bronzemedaille umgehängt zu bekommen, davon habe selbst ich nicht geträumt. Nach der Zeremonie am Abend schloss ich mich kurzfristig mit Esther Süss zusammen und wir genossen zusammen mit unseren Teams in kleinem Rahmen ein Nachtessen und feierten dabei ihren EM Titel sowie meinen dritten WM Rang in einer ’’Aargauerrunde’’.

Fotogalerie Dolomiti SuperbikeWas es für mich zum Nachtessen gab, wurde vom nächsten Tag bestimmt. Ich wollte nämlich noch am normalen Dolomiti Superbike auf einer etwas einfacheren Variante der WM Strecke starten. Ich setzte natürlich keine grossen Erwartungen an das Rennen, zog sogar das Abzweigen auf die kurze Strecke oder ein vorzeitiges Aussteigen in Erwägung. Doch beides traf nicht ein. Ich fühlte mich den Umständen entsprechend sehr gut und war von Beginn an in der Spitzengruppe. Als mir dann nach knapp der Rennhälfte mein letzter Begleiter nicht mehr folgen konnte war ich plötzlich ganz einsam an der Spitze. Dies wollte ich eigentlich nicht, doch ich konnte ja nicht anhalten und warten, bis jemand kam. Erst auf den letzten zehn Kilometern, genau ab da wo ich am Vortag aufs Podest fuhr, ging mir die Kraft aus. Doch mein Vorsprung war inzwischen so gross, dass keine Gefahr drohte und ich das Rennen mit acht Minuten Vorsprung ungefährdet gewinnen konnte und somit auch gleich die Führung der iXS Euro Bike Extremes übernehmen konnte.

Dieses wunderbare Wochenende hat meine kühnsten Erwartungen bei weitem übertroffen und ich möchte mich bei allen Leuten, die mich rund um diese beiden Rennen unterstützt haben, ganz herzlich dafür bedanken.

Beitrag vom Schweizer Fernsehen

Zur Fotogalerie WM

(Fotos: Martin Platter)

   
  Druckversion anzeigenSchrift vergrössernSchrift verkleinern  

Teamsponsor
 
 

 

 
Personal Main-Sponsors
 

 
Personal Co-Sponsors

 
 
 
 

     
 
 

Swiss champion, Worlds and Europeans medalist, serial winner

 

© created by walti-design