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15. Juni 2008, Marathon EM – neue Qualitäten

Foto vergrössernUnbescheiden und selbstbewusst gab ich frühzeitig den Gewinn einer Medaille an internationalen Titelkämpfen als eines meiner Ziele dieser Saison bekannt. Dies an der Weltmeisterschaft schaffen zu wollen wäre wohl ein etwas (noch) zu hohes Ziel. Also setzte ich voll auf die Europameisterschaft. Allerdings schien die Strecke mit nur kurzen, dafür teils steilen Anstiegen, unzähligen Rhythmuswechseln und zu erwarteten taktischen Spielereien auf den vielen flachen Abschnitten alles andere als auf mich zugeschnitten. Ich musste mir also neue Qualitäten aneignen. Dies tat ich jeden Donnerstag mit einer aktiven Fahrweise an den Abendrennen meines Veloclubs RRC Amt.

So stand ich heute Vormittag bestens vorbereitet in der ersten Startreihe in Albstadt. Zu wissen, alles Mögliche für mein Ziel gemacht zu haben, beruhigte. Auch durch die Anwesenheit aller grossen Namen aus der Marathonszene liess ich keine Nervosität aufkommen. Ich freute mich, als um 11 Uhr endlich der Startschuss abgefeuert wurde. Gleich nach dem Start ging es in einen ersten steilen Aufstieg, bevor es wenig später eng wurde, nochmals ein steiler Anstieg wartete, eine kurze Abfahrt folgte bevor es erstmals auf eine Fläche ging. Kurz gesagt, ein guter Start war sehr wichtig, damit ich in der Spitzengruppe auf die Fläche kam um dann im Windschatten kräfteschonend mitfahren konnte. Obwohl dies nicht meine Spezialität ist, gelang mir dies super, ich konnte mich problemlos in den ersten zehn Positionen behaupten.

Doch im zweiten steilen Anstieg wurde ich durch einen Kettenklemmer entscheidend gebremst, fand mich etwa auf Position 50 wieder. Statt nun bereits den Kopf hängen zu lassen wollte ich so schnell wie möglich wieder nach vorne, denn meine Beine fühlten sich super an. So fuhr ich auf den Flächen alleine an allen Gruppen vorbei. Etwa nach einer halben Rennstunde schaffte ich dann den Anschluss an die Spitzengruppe wieder. Allerdings war diese nicht sehr schnell unterwegs, sodass sie schon wenig später wieder extrem gross war. Als weiterhin niemand Interesse hatte, zuzufahren wurde mir dann das ganze zu blöd und ich erhöhte mal etwas das Tempo. Dadurch wurde die Gruppe zwar etwas kleiner, entscheidend Wichtigeres passierte aber wenig später. Als es nach dem ersten Rennviertel auf einer Abfahrt zurück ins Festgelände ging, konnten sich vorne drei Fahrer absetzen. Nun kam die zweite Schlaufe des Rennens.

Anders als die erste führte diese grösstenteils über Kies- oder sogar Asphaltstrassen. Während das Führungstrio gut harmonierte und schnell knapp eine Minute Vorsprung herausfuhr, hatte in unserer Gruppe für mich völlig unverständlich niemand Interesse daran für Tempo zu sorgen. Ja wollten denn alle ihre Medaillenchancen frühzeitig begraben? Zum Glück nicht. Mit Buchli fand ich einen Partner der wie ich noch an das Podest glaubte. Unter unserem Tempodiktat wurde unsere Gruppe immer kleiner, doch der Abstand nach vorne wurde nur sehr langsam kleiner. Als wir nach Rennhälfte wieder bei Start/Ziel vorbei kamen und nun nochmals die bereits zurückgelegte Strecke bevorstand, lagen wir beide noch etwa 20 Sekunden hinter der Spitze. Im nun folgenden Anstieg schafften wir dann den Anschluss an Platt, Kugler und Riis Andersen. Wenig später kamen dann auch noch Dietsch und Lakata dazu, sodass wir nun zu siebt vorne lagen. Noch immer fühlte ich mich super, traute mir absolut alles zu und fuhr unter diesen Voraussetzungen weiterhin sehr aktiv, stets in den ersten Positionen.

In einem der längsten Anstiege des Rennens, knapp dreissig Kilometer vor dem Ziel, wollte ich eine Vorentscheidung. Tatsächlich konnte ich mich zusammen mit Lakata, meinem Favoriten auf den Sieg vor dem Rennen, entscheidend absetzen. Wenige Meter dahinter kämpfte Buchli um den Anschluss, der Rest war weg. Kurz darauf war dann auch Buchli weg, die Nachführarbeit hat ihn anscheinend zu sehr gebraucht. Nun war ich also in einer sensationellen Situation. Zusammen mit Kraftpaket Lakata nahm ich das zweite Mal die zweite Schlaufe von der Spitze aus in Angriff. Wir wussten beide, dass dies unsere Chance war, harmonierten sehr gut und fuhren Vollgas Richtung Podest.

Foto vergrössernRund 18 Kilometer vor dem Ziel schloss dann Riis Andersen alleine von hinten wieder auf. Dies liess bei mir kurz Zweifel aufkommen, denn wir machten vorne zu zweit Tempo und dann schliesst einer alleine von hinten auf! Doch der Däne fügte sich sofort gut ein und so konnten wir unseren Abstand entscheidend vergrössern. Alle drei wollten sich in erster Linie mal eine Medaille sichern. Bald schien diese dann im Trockenen. Ich begann mir also Gedanken darüber zu machen, wie ich meine Medaille möglicherweise vergolden könnte. In einem Spurt hätte ich keine Chance, in der letzten schnellen aber einfachen Abfahrt kann sich auch niemand absetzen. Also musste ich es im letzten Anstieg versuchen und dieser kam schon bald. Allerdings drehten meine Beine auch nicht mehr so leicht wie noch vor einer halben Stunde, zudem machten sich erste Krämpfe bemerkbar. Trotzdem griff ich an, wollte mir später nichts vorwerfen müssen. Allerdings kam ich nicht entscheidend weg und sogleich konterte Lakata. Der Österreicher konnte sich absetzen und flog Richtung Sieg. Dahinter konnte weder Riis Andersen noch ich vor der Zielgeraden etwas entscheidendes unternehmen, es kam zum Sprint um Silber. Diesen verlor ich schliesslich um eine Sekunde. Trotzdem war ich natürlich mit dem dritten Rang absolut zufrieden und überglücklich, konnte meinen bisher wohl grössten Erfolg feiern. Meine Vorbereitung und die mir dadurch neu angeeigneten Qualitäten haben sich voll ausbezahlt.

An dieser Stelle wieder das übliche Dankeschön an meine Betreuer auf der Strecke für die Unterstützung. Ich glaube ich konnte ihnen heute eine grosse Freude machen und ihnen vieles für ihre Arbeit zurückgeben.

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(Fotos: Martin Platter)

   
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