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1. Juni 2008, #1 iXS sbc Mendrisio – ein neues Zuhause

Foto vergrössern1. Juni, Mendrisio, Monte Generoso Bike Marathon. So lautete mein erstes grosses Ziel dieser Saison.
Seit Beginn dieses Jahres drehten sich meine Gedanken fast täglich um dieses Datum, um dieses Rennen. Was habe ich heute gemacht damit ich an diesem Tag der Schnellste sein werde? Was kann ich noch machen damit ich in Mendrisio gewinnen kann? Das waren Fragen, die ich mir täglich vor dem Einschlafen stellte. In dieser Phase fand ich einige Punkte, an denen ich noch arbeiten musste. So war beispielsweise meine emotionale Verbindung zu diesem Rennen alles andere als positiv. Bisher bremsten mich Defekte und Stürze an diesem Rennen (’06) oder ich zog einen schlechten Tag ein (’07). Zudem verstehe ich praktisch kein Wort italienisch. Das heisst ganz einfach nichts anderes, als dass ich mich im Tessin nicht zuhause fühle. Etwas was für mich eine Voraussetzung für Erfolg ist, wie ich es letztes Jahr in meiner 1. Augustansprache geschildert habe. Drei Trainingstage auf der Strecke sollten Abhilfe schaffen. Aufgrund des Dauerregens blieb es bei zwei, welche ihre Wirkung allerdings genauso erzielten. Zudem ist die Strecke technisch wohl die anspruchsvollste der Saison. Das heisst, sie ist eher auf andere Fahrer zugeschnitten als auf mich. Daher zog ich den Einsatz eines Fullys in Erwägung. Obwohl ich nicht der absolut grösste Materialfetischist bin, fiel es mir nicht einfach, das leichte Hardtail zuhause zu lassen und dafür das etwas schwerere Fully einzupacken und die Berge hoch zu schleppen. Ab meinem Entscheid für den Fullyeinsatz wenige Tage vor dem Rennen war ich aber voll davon überzeugt und war mir sicher, dass dies heute den Unterschied ausmachen wird. Ich wollte dieses Rennen in den Abfahrten für mich entscheiden, alles andere hätte für mich an diesem Tag nicht gezählt.

So stellte ich mich also kurz vor halb acht erstmals mit einem Stöckli DS 11.8 Carbon Fully an den Start. Somit sorgte ich schon erstmals für staunende Blicke im Fahrerfeld. Meine Materialwahl bestimmte wie gesagt auch meine Renntaktik. Für den ersten Anstieg, grösstenteils noch auf Asphalt, lautete diese, in der Spitzengruppe mitfahren aber keinerlei Verantwortung übernehmen, diese sollen die Anderen mit den leichteren Bikes tragen. Dies klappte wie gewünscht. Es wurde ein zügiges aber angenehmes Tempo angeschlagen. Einzig Strassenprofi Beuchat hatte das Gefühl, er müsse mit mehreren Angriffen für Unruhe sorgen, was ihm allerdings nichts brachte. Nach knapp 20 Kilometern und einer längeren Schiebepassage waren wir dann auf dem ersten Gipfel. Nun folgten etwas über zehn coupierte Kilometer mit teils ziemlich groben, aber nur kurzen Abfahrten. Ab nun sollte mir mein Bike helfen. Allerdings wollte ich noch keine Vorentscheidung erzwingen.
So steuerten wir zu sechst der bisher längsten Abfahrt entgegen. Diese habe ich mir während meinen Trainingstagen ganz genau eingeprägt, denn hier wollte ich bereits eine Vorentescheidung herbeiführen. Allerdings blieb dies nicht unbemerkt und so musste ich ziemlich kämpfen um als Erster in den Downhill einbiegen zu können. Doch es gelang mir schliesslich, bis es dann wenig später plötzlich rauschte und Bundi an mir vorbeischoss. Doch dies war mir ganz recht, denn der Schweizer Meister gilt als einer der schnellsten Abfahrer und so wusste ich, dass ich nun einfach an seinem Hinterrad bleiben musste und dann auf einem guten Weg bin.
Tatsächlich konnten wir uns deutlich absetzen und kamen zu zweit in den längsten Anstieg des Tages Richtung Bergpreis auf dem Monte Generoso. Schnell merkte ich, dass ich leichter die Berge hoch kam als mein Begleiter. Doch ist es wohl clever, bereits ab jetzt alleine zu fahren? Bis ins Ziel verblieben immerhin noch 55 Kilometer! Ich beschloss, dass es dies ist und setzte mich ab, ohne ans Limit gehen zu müssen. Der Sieg und somit das einzige was heute für mich zählte, kam somit einen grossen Schritt näher. Doch daran durfte ich noch nicht denken, denn es war noch ein langer und harter Weg bis dahin auf dem noch vieles passieren konnte. Somit setzte ich mir den Bergpreis als nächstes Ziel. Als ich diesen als Erster erreichte, fuhr ich einfach sehr konzentriert weiter, erlaubte mir keinerlei Fehler und dachte ständig an meine harten Trainings der vergangenen Monate, welche sich nun heute auszahlen sollten. So brachte ich Kilometer um Kilometer hinter mich. Ich war mir ganz sicher, dass meine Gedanken daran weiter reichen werden als das Rennen Kilometer hat.

Foto vergrössernAls ich dann bei Kilometer 77 das letzte Mal bei einem meiner Betreuer vorbeikam, stand mir noch ein letzter Berg im Weg. Ab jetzt glaubte ich an meinen Sieg. Zwar hatte ich das Gefühl der Anstieg wolle nie mehr enden und bei jedem Rascheln im Wald zuckte ich zusammen und befürchtete doch noch einen heranrauschenden Verfolger. Denn mittlerweile merkte ich die bisherigen Strapazen schon in meinen Beinen. Sofort sagte ich mir aber, dass es allen Anderen auch so gehen musste. Als ich dann oben war merkte ich irgendwie, dass ich ein beruhigendes Polster hatte und riskierte in der letzten Abfahrt keinen Sturz oder Defekt mehr. Dass ich dabei trotzdem nochmals die schnellste Abschnittszeit realisierte, zeigt, wie wohl ich mich momentan auf dem Bike fühle. Nach 94 anspruchsvollen Kilometern, 3500 hammerharten Höhenmetern und 4 Stunden und 51 Minuten wurde meine Vision dann Realität. Ich erreichte das Ziel als Sieger, über fünf Minuten vor Bundi und fast zwölf vor Marx! Somit bin ich erster Leader der iXS classic.

Dieser Erfolg bedeutet für mich sehr viel, denn als ich ihn mir zum Ziel setzte, traute ich ihn mir ehrlich gesagt noch nicht so wirklich zu. Ich habe dann aber anscheinend so ziemlich vieles oder alles richtig gemacht, dass es schliesslich doch geklappt hat. Nach dem heutigen Tag werde ich bestimmt immer wieder gerne ins Tessin zurück kommen! Es brauchte aber auch viele Mosaiksteinchen dazu. Da war mein ganzes Umfeld und meine Sponsoren, die mir in den vergangenen Monaten die nötige Zeit, ihr Vertrauen und ihre Unterstützung spendeten. Da war mein Team, das mir alle Wünsche in den letzten Wochen erfüllte und das nötige Material zur Verfügung stellte. Und da waren meine Betreuer vor Ort, die sich in meinen Dienst stellten, sogar extra Spezialkonstruktionen herstellten und sich am Samstag auf der Suche nach den Verpflegungsposten noch in den Schlamm legten… Herzlichen Dank allen für die Unterstützung!
Nun gibt es da noch ein weiteres Rennen, das mir bisher noch nicht so sehr gefällt, was ich so schnell wie möglich ändern möchte, aber dazu zu passender Zeit mehr…

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(Fotos: Martin Platter)

   
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